Traurig und wurzellos

Den Namen kennt man nicht, das Gesicht schon: Gemeint ist das von Colm Meaney. Durch die feste Serienrolle als Chefingenieur in einer „Star Trek“-Serie war er ein ganzes Jahrzehnt hierzulande im Fernsehen präsent. In der schlüpfrigen Komödie „Männertrip“ (2010) und beim Kostümfilm „Bel Ami“ (2012) hatte er eher untypische Auftritte. Sein Spezialgebiet waren früher kleine irische oder englische Filme, die oft in der Arbeiterklasse spielen. Genau da bewegt sich der irische Schauspieler nun endlich wieder hin. „Parked“ ist eine willkommene Gelegenheit, den 59-Jährigen im Kleinen auf der großen Leinwand zu sehen.


Im Kleinen deshalb, da „Parked“ nicht mit sehr vielen Kopien startet und man schon in ein Programmkino muss, um ihn zu sehen. Die dreckigen Bilder in verwaschenem Outfit liegen der breiten Masse immer weniger. Doch diese bietet die irisch-finnische Co-Produktion natürlich zuhauf, das gehört zum Ernst des Lebens, um den es geht. Da steht Regisseur Darragh Byrne bekannten Genre-Vertretern wie Ken Loach nicht nach.

Meaneys Fred ist ein Trauriger und Wurzelloser. Er ist an der Gesellschaft gescheitert und jetzt in dem Stadium, da er an ihr verzweifelt. Offensichtlich ist der gepflegte Herr arbeitslos und dadurch auch ohne Obdach, er lebt – wohlgeordnet – in seinem Auto, das er an einem einsamen Parkplatz abgestellt hat. Seine Routine wird unterbrochen durch Besuche beim Sozialamt, die ihm aber nie gute Neuigkeiten bescheren.

Als Konterpart zum Unterschichtler, der stoisch stolz seine guten Umgangsformen pflegt, setzt der irische Regisseur Teenie-Star Colin Morgan (TV-Serie „Merlin – Die neuen Abenteuer“) ein. Ähnlich wie Kristen Stewart im vergangenen Jahr bei „Willkommen bei den Rileys“, sieht man auch ihm das dringende Bedürfnis nach einer dreckigen Rolle an. Mit fauligen Zähnen und weichem Herzen spielt er den Junkie Cathal, der ebenfalls auf dem Parkplatz Quartier bezieht. Cathal wirbelt das Leben seines Nachbarn Fred durcheinander, weil er diesen unglaublichen Mut besitzt, weil er provoziert und sich Dinge traut, die der biedere Fred niemals wagen würde.


Und das ist der besondere Aspekt dieser Geschichte. Ohne die Bekanntschaft mit dem hyperaktiven Drogenabhängigen wäre dem Regisseur sogar Colm Meaney in Bill-Murray-Posen abgeglitten, die durch „Lost In Translation“ und „Broken Flowers“ strapaziert wurden. So bekommt Meaney spannende Momente, schwärmt sogar für eine Frau und versucht, seinen neuen Freund zu retten, der ihm Auswege zeigt, wo er nur schwarze Wände sehen kann.

Darragh Byrne schenkt seinen Protagonisten schöne Landschaftsaufnahmen mit einem Parkplatz direkt am Meer und weicht ihnen nicht von der Seite. Manchmal erklärt der Film auffällig ausführlich, und die Symbolik, dass Fred Uhren repariert, ist ein wenig aufdringlich, wie auch die vielen Nahaufnahmen. Im Gegenzug spart Byrne nicht mit den brutalen Momenten der Realität, die er in eisigen, grauen Bildern präsentiert.

Text: Claudia Nitsche / Fotos: Dualfilm / Karina Finegan
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: Parked
Genre: Drama
Freigabealter: 12
Verleih: Dualfilm
Laufzeit: 94 Min.