So schön ist Mathe

Mitte der 90er-Jahre waren Verschwörungstheorien und mysteriöse Welterklärungsversuche en vogue. In Deutschland gab es „23“, in den USA leistete Independent-Regisseur Darren Aronofsky („Requiem For A Dream“, „Black Swan“) mit „Pi“ (1997) seinen Beitrag. Die Geschichte über den genialen Mathematiker Max, der kurz davor steht, Gott zu entschlüsseln, gehört zu den kunstvollsten Filmen jener Ära und genießt längst echten Kultstatus. Davon kann man sich jetzt auch erstmals auf Blu-ray Disc überzeugen.

Mathematiker Max (Sean Gullete) ist kurz davor, die Ordnung im Chaos zu entschlüsseln.


Maximilian Cohen (Sean Gullette) hat keine Leidenschaft, er hat Zahlen. Mit ihrer Hilfe definiert er die Welt. Die ist, so seine Hypothese, vorhersehbar und durch mathematische Operationen erklärbar. Im Chaos ist eine Ordnung, und Max steht kurz davor, den Schlüssel zu finden. Da man mit solch einem Schlüssel nicht nur unsterblichen Ruhm erlangen kann, interessieren sich bald schon eine dubiose Finanzfirma und die jüdische Gemeinde für Max: Der Rechenkünstler, der ohnehin schon an Zwangsvorstellungen, Klaustrophobie und extremen Migräneanfällen leidet, verliert sich zunehmend in einem Geflecht aus Zahlen, Formeln und Verfolgungswahn.

Auf „Pi“ muss man sich einlassen können. Darren Aronofsky verbindet in seiner 60.000 Dollar billigen Low-Budget-Produktion Chaostheorie, Zahlenspielereien und Max’ manische Gedankenwelt zu einem verschlüsselten Filmerlebnis. Aronofsky schildert mit beängstigend klaustrophobischen Schwarz-Weiß-Bildern Max’ Schlingern zwischen Wahnsinn, Religion, Geldgier und Zahlenreihen. Das ist fast schon physisch erfahrbar: Für seinen intensiven Thriller, der immer tiefer in das Halbdunkel des Wahnsinns hinabgleitet, wurde Aronofsky, der derzeit auf Island das Bibel-Epos „Noah“ dreht, mit dem Regiepreis in Sundance geehrt.

Die Extras sind weniger umfangreich als auf der DVD-Veröffentlichung aus dem Jahr 2005. Während Hintergrundfilme und Featurettes auf der Blu-ray Disc nicht mehr zu finden sind, gibt es immerhin zwei enthusiastische Audiokommentare und einen sympathischen Blick hinter die Kulissen.

Mathegenie Max (Sean Gullete) wird von finsteren Gestalten verfolgt - oder nicht?


Sound- und Bildpuristen müssen trotz HD-Auflösung einige Abstriche machen. Aronofsky drehte seinen Film in körnigem Schwarz-Weiß. Die Bilder sind zwar kunstvoll gestaltet vom Original sauber transferiert: Ihnen fehlt es aber an Kontrast und Schärfe. Auch beim Sound wurde sich auf das Minimum beschränkt: Der Ton kommt als 2.0-Mix nur aus den Frontboxen, ist aber kräftig abgemischt.

Text: Andreas Fischer / Fotos: Studiocanal
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 12
Studio: Studiocanal
Laufzeit: 84 Min.
Ab 9.8. im Handel, ca. 16 Euro