Currywurst für alle

Das Genre der tragischen Ruhrpottkomödie wurde in Kino und Fernsehen ja schon hinreichend beackert. Ob „Fußball ist unser Leben“, die Schalke-Hommage von Tomy Wigand mit Uwe Ochsenknecht, „Bang Boom Bang“, „Was nicht passt, wird passend gemacht“, „Solino“ von Fatih Akin oder gar Schimanski im „Tatort“: Zwischen Dortmund, Duisburg und stillgelegten Hochöfen konnte man bisher noch immer die absurdesten Geschichten über hemdsärmelige Arbeiter-Klasse-Typen finden und erzählen. Die kennt Regisseurin und Drehbuchautorin Tina von Traben bestimmt auch und hat sich deshalb für „Pommes essen“ an einem kleinen Heimatfilm für die ganze Familie versucht. Das Ergebnis ist leider so nett wie nichtig.

Hilft der Currywurst-Familie, wo sie nur kann:
Schrottplatz-Besitzerin Besjana Simicics (Thekla Carola Wied).



Duisburg, am Hafen. Frieda (Anneke Kim Sarnau) schmeißt dort die Imbissbude Freys Feyner Imbiss: seit 50 Jahren ein Familienbetrieb. Ihr pottbekannter Vater, Geschäftsmann Otto Frey, starb vor ein paar Jahren. Die goldenen Zeiten, in denen der Imbiss die erste Bude am Platz war, sind schon länger vorbei.

Ihre Tochter Patty (Luise Risch) träumt von einer Zukunft als Spitzenköchin, auch ihre Schwestern Lilo und Selma helfen trotz anderer Lebenspläne, wo sie können. Ihr größter Rivale ist dabei ausgerechnet Bruder Walther (Smudo), Geschäftsführer der Kette Pommes King, der Papas Geheimrezept für die Currysoße möchte und damit in den Stadionbuden des MSV Duisburg landen will. All das wächst Frieda derart über den Kopf, dass sie sich von ihren Kindern zu einer Kur breitschlagen lässt und Patty, Lilo und Selma auf sich alleine gestellt sind. Klar, dass das nicht gutgehen kann – und Frieda am Ende trotzdem froh sein kann, so clevere Töchter zu haben.

„Pommes essen“ ist kein schlechter Film, er bemüht sich sogar sehr, so nett wie möglich zu sein – und scheitert genau bei diesem Versuch. Von Traben versucht gar nicht erst, in den über 110 Minuten einen wirklichen Spannungsbogen zu setzen. Die Wendungen und Dialoge sind so voraussehbar und harmlos, die Charaktere so brav und blass, die Schauspieler so charmant wie schwach (inklusive Smudo), wie all das eigentlich nur in Kinder- oder schlichten TV-Sommerfilmen der Fall sein dürfte.

Walther (Smudo) will seiner Schwester Frieda (Anneke Kim Sarnau)
ein Currywurst-Geheimrezept ihres Vaters abluchsen.



Auch die weiteren Rollen bedienen Klischees: „The kitchen ist zu klein for big egos“, radebrecht Pattys zeitweiliger Schulpraktikumsboss, der Düsseldorfer Spitzenkoch Norton Jersey (Jan Erik Madsen), in konstruiertestem Denglisch. Und Thekla Carola Wied überzeugt als Schrottplatzbesitzerin und Freundin der Familie mit schlechtem ausländischem Akzent ebenso wenig. Auch über sein Rahmensujet, dem einst hoffnungsvollen Ruhrgebiet als Ort geplatzter Träume und Lebensentwürfe, erzählt „Pommes essen“ leider nichts: außer dass dort Currywurst und Bier gut ankommen und dass Menschen dort Migrationshintergründe sowie das Herz am rechten Fleck haben. Schade um die nette Absicht.

Text: Fabian Soethof / Fotos: dagstarfilm / Martin Valentin Menke
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Farbfilm
Laufzeit: 85 Min.