Vertraust du mir? Klar!

Vertrauen ist das zentrale Thema des deutsch-schweizerischen Films „Puppe“. Wer hat es verdient, wem sollte man es geben? Das Jugenddrama erzählt die Geschichte eines toughen Mädchens von der Straße, das in den Bergen eine zweite Chance bekommt. Corinna Harfouch spielt die souveräne Sozialarbeiterin, die sich in der Abgeschiedenheit der Natur um schwierige Jugendliche kümmert.

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Es geht um einen Neustart für eine gebrannte Seele: Regisseur Sebastian Kutzli zeigt in kurzen Rückblenden, wie das Leben der 16-jährigen Anna (Anke Retzlaff) in der grauen Stadt war. Sie und ihre Freundin Leila (Jella Haase) erkannten, dass das Leben auf der Straße zu hart ist. Doch nicht nur die Vergangenheit wird aufgearbeitet, auch in der Gegenwart spitzen sich die Ereignisse zu, denn nicht jedes der Mädchen ist gewillt oder in der Lage, seine Situation zu verbessern.

Ihr neues Zuhause ist in einer Berghütte bei der Sozialarbeiterin Geena (Harfouch in einer Rolle, die sie gewohnt souverän spielt), die sich noch um andere Schützling kümmert. Straßenmädchen in Duisburg und die Schweizer Berge – da die Kontraste zu inszenieren, ist nicht schwer. Die Landschaft vermittelt ein Idyll, das es natürlich zu brechen gilt. Doch so blau der Himmel dort oben ist und so einfach das Leben sein könnte, auch Blitz und Donner sind dort ein Stück näher an den Menschen. In einer dramatischen Nacht macht Anna damit Bekanntschaft. Doch es soll noch mehr kommen.

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Alle Mitbewohnerinnen haben Furchtbares erlebt. Die zwölfjährige Emma (Stella Holzapfel) beeindruckt mit ihrem liebevoll autistischen Spiel ebenso wie die aggressive Magenta (Sara Fazilat), die es mit Manipulation der anderen versucht.

Da, wo es nicht weitergeht, da ist die Grenze, meint Betreuerin Geena am Anfang, als sie Anna in ihr neues Zuhause fährt. So einfach ist das natürlich nicht. Eine falsche Entscheidung, eine Unachtsamkeit und es geht vielleicht schon um ein ganzes Leben.

Den Plot hat Marie Amsler geschrieben, eine Frau, die lange mit schwererziehbaren Mädchen gearbeitet hat. Kutzli inszeniert zunächst sehr sorgsam. Doch im letzten Drittel verlässt er die Gefühlsebene, um Handlungsstränge zu verquicken und die Geschichte zu verdichten. Die Wirkung dieser Erzählung wäre eine größere, hätte er die Geduld behalten, bei seinen Figuren zu bleiben, ohne sie künstlich zu dramatisieren.

Text: Claudia Nitsche / Fotos: W-film / Hagen Keller
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Genre: Drama
Freigabealter: 12
Verleih: W-Film
Laufzeit: 89 Min.