Unnötige Attacke

1984 kam ein Film in die Kinos, der nach Protesten von Friedensaktivisten in einigen deutschen Städten rasch wieder abgesetzt wurde. „Die rote Flut“ erzählte die Geschichte von US-amerikanischen Schülern, die nach der Invasion von sowjetischen und kubanischen Soldaten zu Widerstandskämpfern werden. Der Kalte Krieg köchelte zu dieser Zeit ganz heiß, und Präsident Ronald Reagan hatte eben die Sowjetunion als „Reich des Bösen“ bezeichnet. Im Film spielten Patrick Swayze und Jennifer Grey – drei Jahre vor „Dirty Dancing“ – erstmals zusammen. Charlie Sheen gab mit „Die rote Flut“ sein Kinodebüt. Der Film war thematisch natürlich ein fieses Propagandastück, funktionierte jedoch zum unterhaltsamen Einmalgebrauch mit Popcorn.


Warum kommt jemand auf die Idee, diesen Stoff zwei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Kriegs als Remake ins Kino zu bringen? Halt – sprach nicht Präsident George W. Bush von einer „Achse des Bösen“, auf der er den Irak, den Iran und Nordkorea platzierte? Das Intro der aktuellen Filmfassung „Red Dawn“ wird konkret. Nachrichtenschlagzeilen und Breaking News wandern von der Eurokrise, über Ausschreitungen in Spanien zu kriegerischen Auseinandersetzungen in Georgien und Russland. China wird nur kurz gestreift. China ist für die USA vermutlich wirtschaftlich zu wichtig, als dass es in einem Hollywoodfilm als Bösewicht dämonisiert werden dürfen. So versucht der Prolog des Films letztendlich die lächerliche Annahme zu erklären, dass die Nordkoreaner in die USA einmarschieren. Viel Sinn macht das nicht. Die Welt fürchtet mehr die Terroristen aus dem Nahen Osten oder den Iran. Nordkorea rangiert hier unter ferner liefen. Und dann auch noch eine Invasion?

Die Handlung spielt in Spokane, einer Stadt im Bundesstaat Washington. An einem Samstagmorgen wachen der Marine Jed (Chris Hemsworth) und sein jüngerer Bruder Matt (Josh Peck) vom Lärm tausender Fallschirmjäger auf, die vom Himmel fallen. Sie erkennen sofort die Invasion und schlagen sich mit einigen Freunden und Bekannten bis zu einer Hütte in den naheliegenden Wäldern durch. Dort in der Wildnis formieren sie sich als die „Wolverines“ und kämpfen gegen die nordkoreanischen Besatzer. Anfangs ist die Gruppe den Invasoren nur lästig. Doch nach mehreren erfolgreichen Guerrilla-Attacken werden die Kids zu einer ernsthaften Bedrohung. Der nordkoreanische Kommandant bekommt den Auftrag, sie unter allen Umständen zu eliminieren.


Lässt man die geopolitische Glaubwürdigkeit außer Acht, leidet „Red Dawn“ noch immer an einigen Problemen. So wirkt alles mehr wie die Pilotfolge einer TV-Serie als ein eigenständiger Film. Das Ende bleibt offen. Auch der Rollentod einiger Stars auf dem Weg dorthin lässt den Schluss zu, dass sie bereits jetzt kalkuliert für eine Fortsetzung nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Nordkoreaner bleiben gesichts- und geschichtslos, deshalb können sie einfach nur böse sein und dürfen reihenweise abgeschlachtet werden. Außerdem sind die Popcorn-Elemente dieser Fassung wenig beeindruckend. Gerade bei den Action- und Kampfszenen wackelt die Kamera so heftig, dass man gar nicht mitbekommt, was wirklich geschieht.

Chris Hemsworth spielt einen schweigsamen Typen, genau wie Patrick Swayze vor 28 Jahren die Rolle anlegte. Josh Peck als jüngerer Bruder übertreibt den weinerlichen Egoismus bis an den Punkt, wo die Figur unsympathisch wird. Ein echtes Manko, weil er im Laufe des Films immer mehr in den Fokus der Handlung kommt. Alle anderen Wolverines bleiben dezent im Hintergrund, was meist ein Zeichen dafür ist, dass ihre Figuren sterben werden. Erwähnt seien nur Josh Hutcherson, der eben mit den „Hunger Games“ durchstartet, und die erste größere Filmrolle von Connor Cruise. Ob der Sohn von Tom Cruise eine ähnliche Karriere wie Charlie Sheen 1984 startet, bleibt abzuwarten.

Text: Peter Fuchs / Fotos: 2012 Concorde Filmverleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: enttäuschend
Originaltitel: Red Dawn
Genre: Action
Freigabealter: 16
Verleih: Concorde
Laufzeit: 94 Min.