Glaub mal an die Liebe!

Outsourcen treibt Matthias Schweighöfer in seiner Komödie „Schlussmacher“ in eine neue Dimension. Der Typ, den er spielt, stellt eine schmucke Rechnung fürs Schlussmachen aus, schön mit aufgeführten Posten und vermutlich ausgewiesener Mehrwertsteuer. Ein Erste-Hilfe-Set im rosa Karton gibt es obendrauf. Dass nicht alle Kunden gleich sind, merkt der ambitionierte Yuppie Paul, als er Toto (Milan Peschel) begegnet, seinem schwersten Fall bisher.


„Trennungen haben Hochkonjunktur“, sagt der Chef (Heiner Lauterbach) und will den jungen Mitarbeiter zum Teilhaber machen, schließlich hat der fast 1.000 Absch(l)üsse in zwei Jahren geschafft. Paul Voigt (Matthias Schweighöfer) erledigt seine Aufgaben souverän. Doch dann muss er einer Trennung nachhelfen, der von Kati (Nadja Uhl) und Toto (Milan Peschel). Und der sensible Toto nimmt es sehr schwer.

Über kruden Umwegen zieht der Verlassene in Pauls Leben ein, wird zum WG-Partner und Fahrer des Schlussmachers. Dabei wird nicht nur am Nervenkostüm des Geschäftsmannes gezerrt, sondern auch sein bisher verschüttetes emotionales Zentrum abgeklopft.

Es beginnt dermaßen affektiert. Das Bürogebäude, der Chef, die Dialoge, die Oberflächlichkeit erinnern an Komödien, die keine einzige Überraschung zulassen, deren Verlauf man nach drei Minuten erzählen kann. Selbst Matthias Schweighöfer wirkt ein wenig hüftsteif in dieser Rolle. Doch bald schon klingelt er bei Kuhlmann und trifft auf seinen Sparringspartner.

Er muss die Schuhe ausziehen und wird, als er Toto zum Single macht, verdächtigt, von der „Versteckten Kamera“ zu sein. Milan Peschel spielt ein besonders seltenes Exemplar Mensch; er ist bereit, sein Herz vorbehaltlos zu verschenken. Pauls Nachricht ist eine Bombe, er ist am Boden, braucht einen Freund – und nimmt ihn sich. Das ungleiche Team wird aneinander geschweißt, da Paul seinen Führerschein verliert, aber aufs Auto angewiesen ist. Toto stört sein Leben, in dem es darum geht, schnell Haken zu machen. Totos Überlegungen, alleine seine Anwesenheit bringt alles durcheinander.


Der „Schlussmacher“ bewegt sich also manchmal als Roadmovie vorwärts. Freundschaft verändert Pauls Charakter. Er hört Toto zu, merkt, warum er seine eigene Freundin Natalie (Catherine de Léan) auf Distanz hält und begreift, dass er nie an die Liebe geglaubt hat. Deshalb war er so gut in seinem Job.

Milan Peschel geht in jeder Szene in seiner Rolle auf. Wer ihn vor einem Jahr in „Halt auf freier Strecke“ als Krebskranken gesehen hat, wird vorrangig von Peschels Flexibilität und Können beeindruckt sein. Wie er jetzt den Albernen, den liebenswerten Softi gibt, macht schon Spaß. Er lässt sich hier ebenso tief reinfallen wie er das bei Andreas Dresen für das schmerzhafte Drama tat. Diesmal heißt der Regisseur Matthias Schweighöfer, für den der „Schlussmacher“ der zweite Versuch nach „What A Man“ bedeutet.

Schweighöfer selbst wirkt nicht ganz glücklich mit seiner Rolle, bei der er eine ganze Weile auf der Stelle tritt. Das Drehbuch schrieb, wie schon bei „What A Man“, Doron Wisotzky. Geformt wurde das Skript durch ein gemeinsames Brainstorming zum Thema. Leider setzt die Entwicklung von Schweighöfers Charakter sehr spät ein, was ihn etwas eindimensional erscheinen lässt. Statt die Qualität der beiden Schauspieler auszuschöpfen, verliert sich das Drehbuch in wilden Nebenschauplätzen, macht Witze mit Kloschüsseln, bösen russischen Vätern oder furchteinflößenden dicken Frauen. Zum Schluss gibt es sogar einen Stunt. Für subtile Einschübe bleibt wenig Raum.

Text: Claudia Nitsche / Fotos: 2012 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Fox
Laufzeit: 110 Min.