Wer schön sein will ?

Eine Schönheitsoperation sei nur ein Baustein im Leben derer, die sich dafür entscheiden, heißt es in „Schönheit“. Absaugen, einsetzen oder abschleifen sind Möglichkeiten, die der eine in Betracht zieht, der andere vielleicht nicht versteht. Im Dokumentarfilm von Carolin Schmitz kommen Perfektionisten zu Wort, Menschen, die ihr Leben zu optimieren versuchen – auch chirurgisch. Nicht nur im Krieg und bei der Liebe, auch für die Schönheit ist mittlerweile jedes Mittel erlaubt.


Die Protagonisten stellen sich im Wechsel vor. Da wäre eine adrette Frau, die mit ihren Katzen Tisch und Bett teilt, und das im Wortsinn. Mit der Selbstverständlichkeit, mit der die Brünette die Tierhaare von der Tischplatte wischt, stellt sie auch ihre Schuhsammlung vor. Sie tritt nur auf dem Ballen auf, denn das schont die guten Stücke, die zu Dutzenden in ihren Schrank sortiert sind.

Der andere hat einen Personal Trainer und gestraffte Lider. Dazu kommt eine Frau, deren größte Leidenschaft ein Forum über Schönheitsoperationenen ist. 2.500 Mitglieder debattieren über ihre Erfahrunge. Wenn sie sich treffen, wird berührt und beraten. Ohne diese Gemeinschaft könnte sie nicht mehr leben, sagt sie und schält Kartoffeln. Ein wenig traurig stimmt eine füllige Dame, die früher noch dicker war. Damals war sie zufrieden, stellt sie nüchtern fest. Das ist heute nicht mehr so. Jetzt dreht sich alles nur mehr um die nächste Operation, um ihre früheren Sünden etwas auszugleichen.


Carolin Schmitz lässt den Leuten viel Raum. „Schönheit“ sammelt keineswegs uninteressante Aspekte um Körperkult und andere Neurosen. Aufwendig aufbereitet ist die Dokumentation allerdings nicht. Die Kamera wird nicht bewegt, sie steht da und beobachtet. Schmitz verweigert sich der Manipulation, verweigert sich aber auch einem gewissen Unterhaltungswert. Freilich gibt das Umfeld, die Wohnungen der Interviewten eine Menge preis, doch es ergibt sich kein Mehrwert, wenn man die Berichte bis zum Ende durchhält.

Der Film ist eine wissenschaftliche Studie, lehrreich wie Schulfernsehen. Komplett ohne Musik oder andere Stilmittel, derer sich Dokus mittlerweile bedienen, liefert er lediglich Informationen, die fast besser in einer TV-Reportage aufgehoben wären. Zumal einem letztlich auch der Mitschnitt einer Operation nicht erspart bleibt.

Text: Claudia Nitsche / Fotos: Farbfilm
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Dokumentarfilm
Freigabealter: 0
Verleih: Farbfilm
Laufzeit: 80 Min.