Nichts wird besser

Da sitzt er also zum letzten Mal vor seinem Therapeuten: Pat (Bradley Cooper) hat nämlich kein Wutproblem mehr, wie er immer wieder versichert. Er ist jetzt ein völlig neuer Mann. Geläutert, gelassen. Dass ihn seine Frau mit einem Kollegen betrogen hat, den er daraufhin ins Krankenhaus prügelte – das sind olle Kamellen, die ihn nicht mehr aus der Ruhe bringen können. Oder doch? Regisseur und Autor David O. Russell („I Heart Huckabees“, „The Fighter“) zeigt in seinem famosen Drama „Silver Linings“ mit leisem Humor, was passiert, wenn man einen Choleriker zu früh zurück ins Leben entlässt.


Dass Pat bereit ist, in die echte Welt zurückzukehren, ist natürlich Wunschdenken. In seiner Nachbarschaft, an seiner alten Arbeitsplatz hat jeder Angst vor dem Erfinder des Jähzorns. Pat aber will unbedingt seine Ex zurückgewinnen: Um sie zu beeindrucken, liest er sogar Ernest Hemingways Weltkriegsroman „In einem andern Land“. Was allerdings in einem fürchterlichen Wutanfall endet, weil „dieser verrückte Hemingway Hoffnungen auf ein Happy End weckt, die er dann mutwillig zerstört“.

Bis er den Silberstreifen, das bedeutet der Titel des Films, am Horizont sehen kann, muss er eine Menge Kilometer durch Philadelphia joggen, um seinen Frust abzubauen. Und sich mit seiner neuen Bekanntschaft Tiffanny (Jennifer Lawrence) arrangieren. Die ist wie er ein wenig aus der Spur geraten und wurde nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes wegen ausgelebter Promiskuität in der Firma gefeuert.

Zu lachen gibt’s im für vier Golden Globes nominierten „Silver Linings“ trotz vieler witziger Szenen eigentlich wenig. David O. Russell beschreibt die US-Wirklichkeit, in der Leute ihre Jobs und Pensionen verlieren oder von Stress und Reizüberflutung in den Wahnsinn getrieben werden. Es ist eine Zeit der Ängste, in der nur wenige Menschen den Mut haben, sich um andere zu kümmern. Pat und Tiffany sind auf sich allein gestellt: zwei Psychopathen, die sich gegenseitig in die Gesellschaft re-integrieren sollen und dabei durch ein Leben stolpern, das im Moment nicht ihres ist.


Aber David O. Russell nimmt das alles mit Humor: Sein exzellentes Drehbuch steckt voller pointierter Dialoge, die sich der Unwägbarkeiten des Lebens annehmen und eine verstörende wie sensible Liebesgeschichte erzählen. Die funktioniert wunderbar: Auch dank des großartigen Bradley Cooper, der sich im Zusammenspiel mit der nicht minder fantastischen Jennifer Lawrence von seinem Image als Schönling überzeugend befreit. Die beiden liefern eine Tour de Force – als wandelnde Zeitbomben, die sich gegenseitig entschärfen müssen.

Der Weg zur Besserung ist für Pat und Tiffany holprig: Er führt über einen Tanzwettbewerb, an dessen Ende sogar Pats Versöhnung mit seinem Vater stehen könnte. Robert De Niro hat als Nachbarschafts-Buchmacher den Kontakt zu seinem Sohn völlig verloren. Und Jacki Weaver steht als treusorgende, naive Mutter hilflos zwischen den beiden Männern. Ein verschrobeneres Elternpaar hat man lange nicht im Kino gesehen.

Text: Andreas Fischer / Fotos: Senator Film Verleih
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: The Silver Linings Playbook
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Senator
Laufzeit: 122 Min.