Viva la Revolución

Hauptsache dagegen – diese Grundhaltung wird der Punk-Bewegung gerne attestiert. Betrachtet man die Anfänge des Punk in den 70-ern, mag das in Teilen zutreffen. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt auch noch eine andere Sorte Berufsrevoluzzer: die Hippies. Nikolajs (Asmund Hoeg) Familie besteht aus waschechten, ultra-liberalen Blumenkindern. Daher scheitert der jugendliche Möchtegern-Punk in der norwegischen Anarcho-Komödie „Sons Of Norway“ mit seiner Rebellion beinahe an seinem unorthodoxen 68er-Vater Magnus (Sven Nordin). Was als amüsante Familiengeschichte beginnt, wird nach und nach zu einer Aneinanderreihung von Absurditäten.

Im Delirium erscheint Nikolaj (Asmund Hoeg, rechts) Sex-Pistols-Sänger Johnny Rotten.


Eine beschauliche Vorstadt, am Weihnachtsabend: Bananen schmücken den Baum, und für die passende Stimmung wird die Internationale intoniert – ein ganz normales Weihnachten in Nikolajs sympathischer Hippiesippe. Liebenswerte Charaktere bevölkern die farbenfrohe Wohnung, die Harmonie und das Glück wirken echt. Doch dann der harsche Bruch: Nikolajs Mutter Lone (Sonja Richter) kommt bei einem Unfall ums Leben.

Vater und Sohn geraten aus der Spur, sind orientierungs- und hilflos. Während der Filius Zuflucht in der Musik der Sex Pistols findet, sich Sicherheitsnadeln durch die Wange jagt und Speed schnupft, hüllt Magnus sich in einen Kokon aus Trauer – nur, um schließlich völlig entfesselt und pubertär ein Revival seines anarchischen Selbst zu feiern. Zu allem Überfluss beginnt er auch noch, sich mit der Gegenkultur seines Sohnes zu identifizieren. Albern und an den Haaren herbeigezogen mutet das an, Fremdschämen inklusive. Nikolaj hat jedenfalls alle Mühe, sich von seinem Vater abzugrenzen. Die Art und Weise, wie er schließlich versucht, sich zu emanzipieren, ist mehr als bizarr und nur schwer nachvollziehbar.

Nikolaj (Asmund Hoeg, rechts) und Kumpel Tor (Tony Veitsle Skarpsno) üben sich als Punk-Sänger.


Der Film will nicht nur zwei Generationen miteinander versöhnen, sondern auch eine Hommage an den Punk sein: Der herrlich schrammelige Soundtrack besteht allerdings hauptsächlich aus den Songs der Sex Pistols – deren Sänger John „Johnny Rotten“ Lydon zufällig ausführender Produzent des Films ist. Da die Sex Pistols zudem die einzigen Punks bleiben, die während der knapp 90 Filmminuten direkt Erwähnung finden, beginnt „Sons of Norway“ im Laufe der Zeit unangenehm nach Eigenlob zu riechen: Dreister kann man sich selbst nicht huldigen. Ob Lydon wohl dagegen war, Kollegen mit deutlich nachhaltigerem Erfolg die Ehre zu erweisen?

Text: Christina Freko / Fotos: Alamode Film
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmstart: 05.07
Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: Sønner av Norge
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Alamode
Laufzeit: 87 Min.