Terror in der Zukunft

Die Bäume leuchten knallig rot im Sonnenlicht, ein imposanter Vulkan brodelt zuverlässig dem großen Ausbruch entgegen, die Enterprise wurde auf dem Meeresboden geparkt, während Spock von einem Shuttle aus mit einem Kaltfusions-Apparat den fremden Planeten vor der Vernichtung bewahren will und Captain Kirk so ziemlich jede Sternenflottenregel, inklusive der Obersten Direktive, bricht. – Zumindest am Anfang, für ein paar spektakuläre Minuten ist „Star Trek: Into Darkness“ einfach nur ein „Star Trek“-Film: mit unbekannten Lebensformen in exotischen Welten, einem aussichtslosen Himmelfahrtskommando, verrücktem Technikspielzeug und dem üblichen Schlagabtausch zwischen Hirn (Spock) und Bauch (Kirk). Doch diese nostalgischen Momente sind nicht von Dauer: Regisseur J.J. Abrams steuert das Flaggschiff der Sternenflotte ziemlich schnell in eine zeitgemäße 3D-Kinowelt.

Szene mit Zachary Quinto und Chris Pine.
Vor vier Jahren hatte Abrams den alten Sternenkreuzer gründlich entstaubt und generalüberholt. „Star Trek“ (2009) erzählte von den Anfängen der legendären „Enterprise“-Besatzung und schuf kurzerhand ein Paralleluniversum, damit sich bewährte und beliebte Figuren in einem modernen Kinokosmos heimisch fühlen können. Der Coup glückte, weil er Altes mit Neuem geschickt verband und dem totgesagten SciFi-Klassiker eine neue Daseinsberechtigung verschaffte.

In der Fortsetzung nun entsagt J.J Abrams, der demnächst auch die Neuauflage der „Star Wars“-Reihe inszenieren wird, dem alten „Star Trek“-Geist und setzt seine Verjüngungskur radikal fort. „Star Trek: Into Darkness“ ist hochmodernes Actionkino mit monstermäßigen Krawalleffekten, die dem Geist des modernen cineastischen Superheldentums näher sind als den unendlichen Weiten des Universums, das es eigentlich zu erforschen gilt.

Ein großer Teil des Films spielt auf der Erde, und es sind keine Angreifer aus fernen Galaxien, mit denen sich Kirk (Chris Pine), Spock (Zachary Quinto) und Co. beschäftigen müssen. Es ist jemand aus den eigenen Reihen: Ein Sternenflotten-Offizier läuft Amok und überzieht zunächst London, dann San Francisco mit Terror. Dieser John Harrison (Benedict Cumberbatch) ist ein sehr modernes und ziemlich unbesiegbares Monster, dass die Sternenflotte selbst erschaffen hat.

Offensichtlich wird die Menschheit in den kommenden 250 Jahren nicht allzu viel dazulernen. Ursprünglich sollte Harrison geheime Waffensysteme entwickeln, damit die Föderation für eventuelle Angriffe eventueller Feinde gewappnet ist. Nun aber nutzt er sein Wissen, um der Sternenflotte ein paar Lektionen in modernem Terrorismus zu erteilen. Das kommt einem bekannt vor: Wer das Schlimmste erwartet und deswegen das Schlimmste unterstützt, wird auch das Schlimmste bekommen.

Szene mit Benedict Cumberbatch.
Die Geister, die man rief, kann nur ein Mann fürs Grobe loswerden: Die Aufgabe übernimmt natürlich Kirk, der seine Mission zunächst als Rachefeldzug startet. Ihm obliegt nicht nur die Rettung der Menschheit, der ewige Rebell muss auch einen Reifeprozess durchmachen: Demut und Verantwortungsbewusstsein fehlen ihm im Charakter-Repertoire. Aber auch Kirk wird lernen, sich mit Fragen nach Moral und Ethik auseinanderzusetzen. Überhaupt menschelt es an Bord der Enterprise gewaltig: Spock und Kommunikationsoffizierin Uhura (Zoë Saldaña) klären existenzielle Beziehungsfragen, und eine neu an Bord gekommene Wissenschaftlerin (Alice Eve) sagt sich von ihrem Vater los.

Mit der emotionalen Kante ist „Star Trek: Into Darkness“ durchaus modern erzählt: Die Kinohelden der Neuzeit dürfen auch Gefühle zeigen, müssen es sogar. Blockbuster sind schließlich für alle Zielgruppen da, die Geld ins Kino tragen. J.J. Abrams macht die Science Fiction-Saga zu einem Eventmovie für die ganze Familie – sehr unterhaltsam und mit atemberaubenden Actionsequenzen inszeniert. So wie es sich gehört. Was leider fehlt, ist der alte Pioniergeist, die Sehnsucht nach dem Unbekannten. „Star Trek: Into Darkness“ ist schlichtweg sehr irdisch.

Text: Andreas Fischer / Fotos: 2013 Paramount Pictures / Zade Rosenthal
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Star Trek: Into Darkness
Genre: Science Fiction
Freigabealter: 12
Verleih: Paramount
Laufzeit: 132 Min.