Keine Vision

Manchmal muss Kino radikal sein. Das ist besonders dann der Fall, wenn politische Themenkomplexe behandelt werden. So radikal wie „Strafpark“ (1971) ist es jedoch selten. Vor mehr als 40 Jahren gedreht, wurde der Film vier Tage nach dem Start in den USA verboten. Die beklemmende Vision von Peter Watkins (Oscar-Gewinner für die Doku-Fiktion „The War Game“, 1965), die zur Zeit des Vietnam-Kriegs spielt und das Szenario eines Gefangenenlagers für Gegner dieses blutigen Krieges in der amerikanischen Wüste entwirft, ist nun erstmals auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich. „Strafpark“ erscheint als Teil der „Kino Kontrovers“-Reihe, in der Verleiher Bavaria Media unbequeme Filme veröffentlicht.

In sengender Hitze müssen die Insassen des Strafparks die Wüste durchqueren.


1970. Der Konflikt in Vietnam spitzt sich zu. Der Präsident der Vereinigten Staaten verhängt den Ausnahmezustand und ordnet die Anwendung der McCarren-Akte an, eines Notstandsgesetzes, das es erlaubt, „alle in Frage kommenden Personen, die die innere Sicherheit gefährden könnten“, festzunehmen, ohne die Zustimmung des Kongresses einholen zu müssen.

Während die Angeklagten der Gruppe 638 vor einem Sondergericht erscheinen, lernen die kurz zuvor Verurteilten der Gruppe 637 den Bear Mountains National Punishment Park und dessen „Spielregeln“ kennen. Sie müssen in drei Tagen die Wüste zu Fuß durchqueren, ohne Nahrung und Wasser – und ohne zuvor von den Einsatzkräften, die sowohl motorisiert als auch bewaffnet sind, eingeholt zu werden.

„Mein Film handelt von der Wut, die in uns aufsteigt; von der wachsenden Intoleranz in unserer Gesellschaft. Er formuliert Bedingungen, in denen jeder Teilnehmer seine verdrängten Emotionen, seine Frustration und seine Ängste ausdrücken kann, die ein Resultat des multiplen Drucks in der heutigen Gesellschaft sind.“ Was Regisseur Peter Watkins 1971 über seinen Film sagte, gilt heute genauso. Watkins stellte damals übrigens klar, dass es sich dabei nicht um eine Anklage gegen die USA, sondern um einen Lösungsansatz zur Behebung des menschlichen Dilemmas handeln würde.

Ein aufständischer Insasse wird von der Obrigkeit überwältigt.


Im ausgezeichneten Bonusteil von DVD und Blu-ray Disc stellt Watkins seinen Film in einer halbstündigen Videoeinführung in einen aktuellen Kontext. Der profunde Audiokommentar eines Filmwissenschaftlers, thematisch passende Kurzfilme und eine ausführliche Broschüre komplettieren die Extras. Mit ausgebleichten Farben und relativer Unschärfe ist dem Bild auf beiden Discs das Alter anzumerken. Die BD wirkt beim Kontrast etwas ausgewogener. Der Sound wurde in der deutschen Synchronisation als 5.1-Mix abgelegt, klingt aber genauso frontlastig und blechern wie die originale 2.0-Spur.

Text: Nadja Olsen / Fotos: Kino Kontrovers / Bavaria Medien / Eurovideo
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 16
Studio: Bavaria Film / Kino Kontrovers
Laufzeit: 87 Min.
Im Handel, ca. 15 Euro