Satt sein reicht nicht

Kam zu DDR-Zeiten ernsthaft jemand auf die Idee „Sushi in Suhl“ zu verkaufen? In einer Wirtschaft, die „Waffenschmied“ hieß? Ja, so ist es. Regisseur Carsten Fiebeler erzählt die sehr heitere Geschichte eines Kochs nach einer wahren Begebenheit. Ein bitterer Nachgeschmack gehört zwar dazu, der liebevoll zubereitete kleine Film ist dennoch zu empfehlen.


Auf die Frage „Hat’s geschmeckt?“ bekam Rolf Anschütz (Uwe Steimle) früher die Antwort „Naja, wir sind satt.“ In diesen Worten lag kein Vorwurf, eher Verwunderung. So war das wohl in der DDR in den Siebzigern – dem Koch war’s fürs Selbstwertgefühl zu wenig. Über zufällige Umwege ergab sich seine Leidenschaft für japanisches Essen. Der schrullige Typ kannte die fremde Kultur aus Büchern und war auf der Suche nach seiner Bestimmung.

Er zelebrierte ein japanisches Menü für Freunde in der Datsche und servierte der sympathischen Männergruppe stilecht das ausländische Zeug auf „Stühlen mit ohne Beene“, wie einer erstaunt bemerkt. Und das ist erst der Anfang. Nachdem Anschütz einen „echten Japaner“ mit seinen Experimenten bewirtet und zufriedengestellt hat, nimmt seine verrückte Idee mit den Sushi Formen an. Das geht natürlich durch alle politischen Instanzen und muss auf jeder Ebene abgesegnet werden.

Der schönste Teil des Films ist die Improvisationskunst des Mannes, der sich weit über die Grenzen Thüringens hinaus profiliert und zum Promimagneten wird. In der Hochzeit musste man schon zwei Jahre Wartezeit einplanen, wenn man einen Tisch im „Waffenschmied“ bestellte.

Uwe Steimle, bekannt als frührerer Schweriner Hauptkommissar von „Polizeiruf 110“, macht diese Rolle sehr viel Spaß. Die One-Man-Show liegt dem Schauspieler und Kabarettisten, der viele Theaterarbeiten macht und fast sieben Jahre mit diesem Projekt befasst war.


„Sushi in Suhl“ wird nicht den Preis für die beste Doku bekommen und den will er auch gar nicht. Der Zwickauer Regisseur verklärt und hält den Film über lange Strecken geradezu niedlich. Fiebeler findet schöne Bilder, auch er mag die Geschichte des schrägen Mannes, der sich in den Augen mancher zum Freak entwickelt. Zusammen mit Steimle präsentiert er all die Nuancen und Veränderungen im Charakter der Hauptfigur. Anschütz selbst nimmt er akribisch ins Visier, die Beziehung zu seiner Frau Ingrid (Julia Richter) lässt er jedoch irgendwann liegen.

Sie, die mit ihrem Mann das zunächst traditionelle Wirtshaus führte, geht seinen Weg nicht mit. Er kochte für den Weltfrieden, wie er sagt, der Hausfrieden interessierte ihn nicht mehr. Aufgefangen und erzählt wird das nur durch den Off-Kommentar des Sohnes. Die privaten Veränderungen, als sich der Erfolg einstellt, werden hastig abgehandelt. Lediglich Ina Paule Klink und Thorsten Merten erspielen sich ein wenig Raum neben dem allgegenwärtigen Steimle. Auch wenn Fiebeler ein wenig von der Komplexität des Themas und von 20 zu erzählenden Jahren erschlagen wird, ist ihm hoch anzurechnen, dass „Sushi in Suhl“ kein Ostalgie-Film wurde, sondern die Geschichte eines Mannes, der seinen Traum lebt, aber auch bezahlt.

Autor: Claudia Nitsche / Fotos: Movienet
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Movienet
Laufzeit: 107 Min.