Die Alarmbräute

Hände hoch – und applaudieren: Nachdem Regisseur Paul Feig 2011 „Brautalarm“ auslöste, schickt er jetzt „Taffe Mädels“ auf Verbrecherjagd. Auch diesmal stehen mit Sandra Bullock und Melissa McCarthy in den Hauptrollen wieder Frauen im Mittelpunkt, auch diesmal wird’s wieder schreiend komisch. Trotzdem ist der Film dankbarerweise keine Frauenkomödie geworden, sondern ein ganz normales Buddy-Cop-Movie.

Szene mit Melissa McCarthy und Sandra Bullock.
Agent Ashburn (Bullock) ist streng, ehrgeizig und erfolgreich: ein wahres Musterexemplar des FBI. Klar, dass so eine es auf den Chefsessel abgesehen hat. Doch bevor sie dort drauf darf, stellt ihr Vorgesetzter (Demián Bichir) ihr eine letzte Aufgabe: Sie soll einen Drogenbaron dingfest machen, der sein Geschäft von Boston aus leitet.

Dumm nur, dass die Stadt das Revier von Detective Mullins (McCarthy) ist – und die stellt, klar, das komplette Gegenstück zu Ashburn dar: Ein prolliges Großmaul, für das Polizeigewalt kein Dienstvergehen, sondern eine Lebenseinstellung ist. Bevor die beiden gegen das Verbrechen ins Feld ziehen, müssen sie sich also erst einmal zusammenraufen …

Nein, die Story ist alles andere als originell. Aber die ist bei Buddy-Cop-Movies ohnehin meist zweitrangig. Hier geht’s um Charaktere, Komik und Knarren. Und davon hat „Taffe Mädels“ eine Menge zu bieten. Die Chemie zwischen McCarthys Prolobraut und Bullocks Mustermädchen ist absolut stimmig; es fällt nicht schwer zu glauben, dass die beiden nach den Dreharbeiten tatsächlich Freundinnen wurden. Zudem füllen die Schauspielerinnen ihre eher schablonenhaft skizzierten Charaktere ganz vortrefflich mit Leben und fügen ihnen mit leichter Hand ein paar zusätzliche Facetten zu. Die dankbarere Rolle hat dabei wohl McCarthy als Mullins, die derbste Einzeiler („Haben Sie eigentlich ne Frau zu Hause oder nur nen Sack Mehl mit nem Loch drin?“) raushauen darf. Und die, um die Trias zu komplettieren, daheim über einen verdammt gut ausgestatteten Waffenschrank verfügt.

Szene mit Sandra Bullock und Melissa McCarthy.
Dass McCarthy ihre Sache außergewöhnlich gut macht, heißt aber nicht, dass Bullock dagegen verblasst. Im Gegenteil: Die Oscar-Gewinnerin („Blind Side – Die große Chance“, 2009) lässt alle Würde fahren und wirft sich mit Begeisterung in ihre Rolle. Die könnte zumindest zu Anfang dem einen oder anderen Zuschauer übrigens bekannt vorkommen: Sie gab im Jahr 2000 in „Miss Undercover“ schon einmal die strebsame, aber unbeliebte FBI-Agentin. Doch während damals die Verbrecherjagd nur so nebenher stattfand, während das „hässliche Entlein“ im Rahmen einer Miss-Wahl hauptsächlich schön wurde und die große Liebe fand, sieht die Sache diesmal ganz anders aus: Zum Showdown trägt sie diesmal kein Glitzerkleidchen, sondern eine schusssichere Weste. Statt zum Traum aller Männer wird sie zum Albtraum aller Verbrecher.

Zu verdanken ist diese Entwicklung der Drehbuchautorin Katie Dippold (unter anderem erfolgreich mit der US-Serie „Parks and Recreation“) und natürlich dem Regisseur Paul Feig. In einem Interview mit der „Huffington Post“ erklärte er: „Was ich an diesem Skript mochte, war, dass es keine romantischen Elemente hatte. Es sind einfach zwei professionelle weibliche Arbeitskräfte, die großartig in ihren Berufen sind und dieses Abenteuer erleben.“ Dementsprechend lässt er das Thema der Geschlechtergerechtigkeit nur am Rande miteinfließen. Wenn etwa ein misogyner Kollege sich laut kreischend darüber mokiert, dass weibliche Polizisten einfach zu hysterisch seien, oder wenn ein Zeuge eine weibliche Verdächtige nur anhand ihrer Körbchengröße beschreiben kann.

Erfrischend ist also weniger, dass hier zwei weibliche Cops mit Verbrechern und Vorurteilen aufräumen, sondern dass das leidige Frauenthema nur ein Detail bleibt – weil es hier eben um etwas ganz anderes geht: um Charaktere, Komik und Knarren. Ashburn und Mullins haben das Zeug, die nächsten Murtaugh und Riggs zu werden. Auch wenn die beiden für den Kultstatus der „Lethal Weapon“-Reihe noch ein wenig werden arbeiten müssen: Zumindest ein zweiter Teil soll schon in der Mache sein.

Text: Sabine Metzger / Fotos: 2013 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: ausgezeichnet
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Fox
Laufzeit: 117 Min