Das Kind im Bären

„Du bist irgendwie wie das Jesus-Kind“, ist so ungefähr das Erste, was Ted zu hören bekommt. Ein Plüschbär als Erlöser? Geht das nicht ein bisschen zu weit in einem Land, das sich gerne auf konservativ-christliche Werte beruft? Natürlich nicht, denn erstens ist auch in den USA nicht jeder Scherz verboten. Und zweitens ist „Ted“ ein Film von Seth MacFarlane. Der 38-jährige Neuengländer aus Connecticut hat mit „Family Guy“ und „American Dad“ zwei Zeichentrickserien erschaffen, deren Humor nicht nur vulgär und wundervoll albern ist, sondern immer auch eine ziemliche Provokation. Dass sein erster Kinofilm nicht nur ein Angriff auf die Lachmuskeln ist, sondern auch auf verkrustete Wert- und Moralvorstellungen, durfte also erwartet werden.

Kiffen und dumme Sprüche: John (Mark Wahlberg) und Teddy Ted sind dicke Kumpels.


Eins gleich vorneweg: „Ted“ kennt keine Scheuklappen. Allerdings ist der Film nicht ganz so erbarmungslos, nicht ganz so böse, nicht ganz so pampig, wie man sich vielleicht erhofft hatte. Es wird zwar geflucht, gesoffen, gehurt und gekifft, als gäbe es kein Morgen. Aber im Grunde ist die Geschichte eines Mannes und seines pelzigen Kuscheltierfreundes eine Art braver Unfug.

John hatte als Kind nicht wirklich viele Freunde. Eigentlich keinen. In seinem ordentlichen Neu-England-Suburb durfte er an Weihnachten nicht mal mitmachen, wenn die Jungs in seiner Nachbarschaft einen jüdischen Klassenkameraden verkloppten – eine jährliches Racheritual für die Kreuzigung. Als wünschte sich John einen besten Freund . Und in der Tat: Es geschah ein Weihnachtswunder. Der frisch geschenkte Teddybär erwachte zum Leben.

Auch mit 35 sind John (Mark Wahlberg) und Ted noch unzertrennlich. Teddy ist mittlerweile ein alter Schwerenöter mit ausgeprägter Libido und unkontrollierbaren Würgereizen geworden; John arbeitet brav in einer Autovermietung. Sie hängen in ihrer Zweier-WG ab, zocken Playstation, dröhen sich die Birne weg. Über die Toleranz von Johns Freundin Lori (Mila Kunis) kann man nur staunen. Ihr Freund ist ein ewiges Kind, und das wohnt im Bären.

Natürlich kann so eine Beziehung nicht auf Dauer funktionieren, auch weil Seth MacFarlane seinen Film als Dekonstruktion romantischer Komödien inszeniert. Es gibt ein Ultimatum („Der Bär oder ich“), es gibt eine Trennung, es gibt wilde Partys und irgendwann eine Einsicht. Alles ist so, wie es in einem ordentlichen Hollywood-Film sein muss. Scheinbar: MacFarlane, der auch das Drehbuch schrieb und im Motion-Capture-Verfahren den animierten Rüpelbären spielte, lässt zwar die bissige Gesellschaftssatire vermissen, macht sich dafür aber über die Mechanismen der Massenunterhaltung lustig. Zuckriger kann ein Film nicht sein.

Erwachsen werden? Warum denn, wenn sich Ted und John (Mark Wahlberg, Mitte) mit ihrem Jugendhelden Flash Gordon (Sam Jones) besaufen können?



Wobei der Zucker das Eine ist, das Andere sind die Limonen. Das goldige, beschauliche, liberale New England – der Film spielt in Boston – wird zu einem Hort säuerlicher Versager, die sich mit Kalauern und Kifferei dem Leben verwehren. Maximaler Unfug wird zu einer Protestform erhoben – wider der drögen Alltagsroutine einer geordneten bürgerlichen Existenz.

Auch wenn nicht alle Witze zünden, „Ted“ ist eine erfrischend unorthodoxe und schmierige Gag-Parade mit einer bezaubernden Mila Kunis, einem sympathischen Mark Wahlberg und einem hübsch versifften Plüschbären in den Hauptrollen. Flash Gordon, der alte Haudegen spinnerter TV-Science-Fiction, schaut auch vorbei: Darsteller Sam Jones nimmt sich selbst auf den Arm und trinkt mit den Mann und Bär ein paar Schnäpse. Und Pianopüppchen Norah Jones outet sich als frivole Schlampe.

Es sei dringend empfohlen, sich „Ted“ in der Originalfassung anzusehen – der Humor basiert bei Seth MacFarlane traditionell auf der Mehrdeutigkeit der Sprache. Und die geht in der Übersetzung etwas verloren.

Text: Andreas Fischer / Fotos: Universal Pictures / Tippett Studio
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Ted
Genre: Komödie
Freigabealter: 16
Verleih: Universal
Laufzeit: 110 Min.