Reden wird Gold

Keine hörbaren Dialoge und Geräusche, nur Filmmusik und Zwischentitel: „The Artist“ (2012, auf DVD und Blu-ray Disc) ist eine inbrünstige Liebeserklärung an das Stummfilmkino. In seinem fantastischen Oscar-Abräumer (fünf Trophäen) erzählt Regisseur Michel Hazanavicius von einem Stummfilmstar, der aufs Abstellgleis gerät. Filme mit Ton sind der neueste Schrei – doch George Valentin (Jean Dujardin) kann und will nicht mit der Zeit gehen. Anders als die bezaubernde Peppy Miller (Bérénice Bejo), mit der George seinen letzten Erfolg feierte und deren Stern im selben Maße aufgeht, wie seiner verglüht: Das ist melodramatisch und emotional, aber auch augenzwinkernd und schwungvoll erzählt.


Entgegen aller Warnungen traute sich der Franzose Michel Hazanavicius mit Jean Dujardin, seinem Landsmann und Star aus seiner Agentenparodie „OSS“, radikal an die Wurzeln des Kinos zu gehen. Er inszenierte den Schwarz-Weiß-Film ganz stilecht in den Studios in Hollywood und ließ sich von legendären Meistern wie Fritz Lang, Wilhelm Murnau oder John Ford inspirieren.

Die Story siedelt der französische Regisseur und Drehbuchautor Ende der 20er-Jahre an, am Übergang vom Stumm- zum Tonfilm – dem größten Umbruch, den das Kino je erlebte. George Valentin will das alles nicht wahrhaben. Aber der große Charmeur steht vor dem Nichts. Mit seinem Butler (James Cromwell) und dem treuen Terrier Jack lebt er in einer Bruchbude, schwelgt in Selbstmitleid – und erkennt dabei nicht, dass er da draußen einen treuen Fan hat, der ihm mehrmals die Hand reicht. Valentin muss erst ganz am Boden liegen, bevor er Hilfe annehmen kann.

Ob es nun an der Inszenierung mit präziser Fokussierung aufs Visuelle liegt oder daran, dass die beiden Hauptdarsteller ihre unbändige Spielfreunde ausleben durften – selten wird man von einem Film so schwungvoll mitgerissen und erlebt Emotionen so unmittelbar. Mehr als 650.000 Zuschauer sahen sich das stumme Meisterwerk dann auch allein in Deutschland im Kino an.


Das Bild ist auf DVD und Blu-ray Disc recht weich, der Kontrastumfang ist recht gering – das entspricht aber durchaus der Kinovorlage. Schwarz- und Grautöne wurden gut abgestuft und gehen nahtlos ineinander über. Das BD-Bild wirkt insgesamt etwas sauberer als die leicht rauschende DVD-Optik. Der Sound ist auf beiden Discs sehr klar: Die Musik spielt hauptsächlich in den Frontboxen, setzt aber auch immer wieder mal die Surroundkanäle ein. Im gut sortierten Bonusteil ist vor allem das halbstündige Making Of interessant: Aus spannenden Infos und persönlichen Einblicken wurde eine kurzweilige Doku zusammengeschnitten.

Text: Vera Seeberg / Fotos: DCM
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: Meisterwerk
Freigabealter: 6
Studio: DCM
Laufzeit: 96 Min.
Ab 11.10. im Handel, ca. 13 Euro