Das Leben ist erst der Anfang

“Es ist zu spät für uns”: Zusammen mit ihrem Freund Jason (Hamish Linklater) bemerkt Sophie (Miranda July) eines Tages, dass das Leben vorüberzieht wie die Wolken am Himmel. Da kann man nichts machen. Das muss man akzeptieren. Miranda July, die vor sieben Jahren mit ihrem schillernden Debüt “Ich und Du und alle, die wir kennen” die kleinen Glücksmomente im Alltag fand, ist plötzlich erwachsen geworden. Ihr neuer Film “The Future” (2011, auf DVD erhältlich) sieht aus wie das Poesiealbum einer Erwachsenen, die das Erwachsensein nicht einfach hinnehmen will, sondern der Ernsthaftigkeit die verletzliche Stirn bietet.

Was ist der Sinn des Lebens?
Sophie (Miranda July) will in 30 Tagen 30 Tanzvideos auf YouTube stellen.



Es ist die Katze Pfötchen, die das verschrobene Pärchen auf den Weg der Erkenntnis schickt: Sophie und Jason haben das Tier auf der Straße gefunden. In einer Tierklinik soll sie gesund werden und in 30 Tagen nach Hause kommen. “Dann müssen wir ja Verantwortung übernehmen”, stellen die beiden erschrocken fest. Und Verantwortung macht alt. “Wir sind dann 40, das ist fast 50. Und danach kommt nur noch das Kleingeld des Lebens.”

“Man muss wach sein”, sagt Jason, rettet Bäume und merkt nicht, dass Sophie eine Affäre beginnt. Dafür stellt er bei einem Rentner fest, dass die jungen Leute dieselben Sachen in der Wohnung haben wie die alten. Das macht ihm Angst. In hinreißenden Vignetten suchen Sophie und Jason nach der Wahrheit über das Leben.

Ein Urschrei der Befreiung:
Sophie (Miranda July) wird einfach eine Affäre beginnen.



Ihnen dabei zusehen, ist allerdings das reinste Vergnügen. So künstlich, verschroben und verspult sind die Episoden, die sich Performancekünstlerin Miranda July einfallen ließ. Sie begegnet all den bitteren Momenten mit entwaffnender Aufrichtigkeit und findet einmal mehr die kleinen Glücksmomente im Alltag. Und am Ende ist es gar nicht mehr schlimm, mit Mitte 30 noch nicht zu wissen, was man will. Denn wie Pfötchen weise kommentiert: Das Leben ist erst der Anfang.

Neben einem witzigen Audiokommentar Miranda Julys gibt es im Bonusteil auch einen dreiminütigen Ratgeber, wie man sich besser konzentrieren kann: Man muss nur Gegenständen, die einen ablenken, eine Falle stellen. Ein kurzes Making Of komplettiert die überschaubaren Extras. Die technische Umsetzung der DVD ist gelungen. Das Bild ist kontrastreich, scharf und detailtreu. Der 5.1-Sound gibt die Dialoge klar wieder und ist vor allem bei der Musikwiedergabe zufriedenstellend voluminös.

Text: Andreas Fischer / Fotos: Alamode
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 6
Studio: Alamode
Laufzeit: 87 Min.
Im Handel, ca. 17 Euro