Arnies Spät-Western
Dass der Mann, der sich schon 1985 mit dem grandios-lakonischen „Terminator“-Zitat „I’ll be back“ in die Filmgeschichte einschrieb, wieder auf die große Leinwand zurückkehren würde, war so klar wie der Himmel über Kalifornien: Mit „The Last Stand“ meldet sich Arnold Schwarzenegger, der auf eine durchaus erfolgreiche Gouverneurs-Karriere und den Scherbenhaufen seiner Ehe mit Maria Shriver blicken kann, bei seinen Fans zurück. War er zuletzt nur in kleineren Nebenrollen in den beiden Senioren-Haudegen-Filmen „The Expandables“ zu sehen, steht der berühmteste Steirerbua der Welt jetzt wieder abendfüllend knorrig seinen Mann. Ob er sich mit dem doch eher krude-komischen B-Movie-Spätwestern „Last Stand“ (2012) wirklich einen großen Gefallen getan hat, muss man allerdings bezweifeln.


Doch immerhin dürfte das rustikal gezimmerte US-Debüt des südkoreanischen Horrormeisters Kim Jee-woon („A Tale of Two Sisters“) Geld in Schwarzeneggers Kriegskasse spülen: Seine laufenden Scheidungsverhandlungen könnten dazu führen, dass er sich von der Hälfte seines zuletzt auf 400 Millionen Dollar geschätzten Vermögens trennen muss.


Es ist ein Filmprojekt, das wirkt, als wäre es nur um eine Idee herum entwickelt worden: Natürlich wollen alle seine Verehrer sehen, wie Schwarzenegger noch einmal seine berühmten Muckis anspannt. Und wie er mit dem unvergleichlichen, oft recht unklar artikulierten Ösi-Amerikanisch Fan-Merksätze ausspuckt, die so staubtrocken sind wie die Wüste von Neu-Mexiko, in der das Comeback-Movie spielt. Warum also sich verzetteln und umständlich eine originelle Dramaturgie entwickeln, wenn man es doch auch einfach nur so krachen, hecheln und scheppern lassen kann? Die Versatzstücke für ein bisschen „Handlung“ wurden dreist aus anderen Filmen entliehen, die oft wie abgenutzte Videokopien von 80er-Jahre-Klassikern wirken. Zusätzlich merkt man, dass jemand von den Verantwortlichen offenbar das Western-Meisterwerk „Rio Bravo“ (1959) kennt und liebt.


Wie einst der aufrechte Sheriff, den John Wayne verkörperte, trägt auch Ray Owens (Schwarzenegger) den funkelnden Stern auf der Brust – und muss sich auf einem gottverlassenen Außenposten fast im Alleingang gegen die übelsten Halunken behaupten. Der Vertreter der Staatsmacht im verschlafenen Kaff Sommerton Junction war einst beim LAPD in der gefährlichen Großstadt im Einsatz – und wollte sich auf dem Außenposten direkt an der mexikanischen Grenze eigentlich mehr oder weniger zur Ruhe setzen. Doch dann kam alles ganz anders.



Der skrupellos brutale Drogenkartell-Boss Cortez (Eduardo Noriega) konnte sich bei einer Haftverlegung seiner Eskorte aus tumben FBI-Verfolgern entziehen – und sich seinen Fluchtweg freiballern. Jetzt sitzt er in einem hochgerüsten Rennschlitten, einer nachtschwarzen Super Corvette, und rast in Richtung Heimat. Die USA möchte er illegal und heimlich verlassen. Doch an der entscheidenden Brücke, die einen kleinen Canyon nach Mexiko überspannt, steht natürlich breitbeinig ein Mann, der Recht und Gesetz noch auf die gute alte ruppige Art durchzusetzen versteht.


Unterm Strich zieht der Film also genau die Register, die Arnies Anhängerschaft erwartet: Die Konfrontation Gut gegen Böse hat fast archaische Wucht. Rasante Autoverfolgungsjagden, Crashs, Explosionen und wilde Feuergefechte lenken geschickt davon ab, dass Schwarzeneggers beeindruckende Physis sich mittlerweile doch eher in Standbildern und getragen heroischen Einstellungen (über die Straße Schreiten, böse Schauen hinterm Steuer) manifestiert. Mit Forest Whitaker als FBI-Anführer und „Jackass“-Erfinder Johnny Knoxville als durchgedrehtem Waffenfreak ist die Besetzung vorzeigbar. Und für ein paar wirklich witzige Momente ist ebenfalls gesorgt. Trotzdem: Wer schon viele Schwarzenegger-Stücke gesehen hat, kennt mit großer Sicherheit die besseren.


Text: Rupert Sommer / Fotos: 2013 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: The Last Stand
Genre: Action
Freigabealter: 16
Verleih: Splendid (Fox)
Laufzeit: 107 Min.