Note für Note, Takt für Takt

Welcher Teenager streitet nicht mit seinen Eltern über den Musikgeschmack? Was heute immer noch für häuslichen Unfrieden sorgt, war auch schon vor Jahrzehnten ein Zankapfel. Selten enden Auseinandersetzungen über Musik und die damit verbundene Weltanschauung allerdings so tragisch wie bei Gabriel (Lou Taylor Pucci) und seinem Vater Henry (J.K. Simmons) anno 1966: Die beiden Männer haben sich völlig überworfen. Das einfühlsame Drama „The Music Never Stopped“ (2011) erzählt davon, wie ein paar Akkorde Menschen entzweien, aber auch wieder versöhnen können. Ohne große Emotionen und einen fantastischen Soundtrack kommt der Film, der nun auf DVD und Blu-ray Disc erscheint, dabei selbstverständlich nicht aus.

Für Gabriel (Lou Taylor Pucci) gibt es nichts Wichtigeres, als Musik zu hören und zu machen.
Sein Vater hat dafür kein Verständnis.



20 Jahre ist es her, dass Henry Sawyer seinen Sohn zuletzt sah. Nun sitzt er im Jahr 1986 an dessen Krankenbett, nachdem ihm ein Gehirntumor entfernt wurde und hat es mehr oder weniger mit einem Fremden zu tun: Gabriels Gehirn ist so stark geschädigt, dass er sich an kaum etwas aus seinem Leben erinnern kann. Einzig die Musik aus seiner Hippie-Jugend – die Beatles, The Grateful Dead, Bob Dylan oder Steppenwolf – vermag es, Bilder im Kopf zu aktivieren. Und die sind beileibe nicht immer positiv.

Warmherzig und melancholisch analysiert „The Music Never Stopped“ in Rückblenden, wie es zum Bruch zwischen Henry und Gabriel kam. Das tut oft in der Seele weh, so intensiv spielen Lou Taylor Pucci und J.K. Simmons ihre Rollen. Auch wenn der Ausgang der Geschichte vorhersehbar ist – der besonderen Atmosphäre dieses Films schadet das nicht.

Damit Henry (J.K. Simmons, links) und Gabriel (Lou Taylor Pucci) wieder gelöst und normal miteinander umgehen können, braucht es 20 Jahre und einen Gehirntumor.



Während die Ereignisse der Vergangenheit auf Blu-ray Disc in warmen, gedeckten Farben erstrahlen, wirkt die Gegenwart kalt und steril. Gute Kontraste und genaue Details bestimmen die Optik. Die Schwarzwerte wurden nicht optimal ausdifferenziert, auf der recht blassen DVD muten sie teils matschig an. Auch der Sound überzeugt auf DVD nicht so recht: Zwar gibt der 5.1-Mix sowohl die Dialoge als auch die dezenten Surroundeffekte präzise wieder, allerdings ist er weit weniger druckvoll als auf BD. Im Bonusteil beider Discs finden sich unter anderem einige interessante Interviews.

Text: Christina Freko / Fotos: Senator Home Entertainment
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: Meisterwerk
Freigabealter: 6
Studio: Senator
Laufzeit: 100 Min.
Ab 3.8. im Handel, ca. 15 Euro