Liebe im öden Land

Das fragile Band zwischen der temperamentvollen Französin Marina (Olga Kurylenko) und dem introvertierten Amerikaner Neil (Ben Affleck) lässt sich in dem romantischen Drama „To The Wonder“ nur schwer festigen. Ihre erste Trauung findet im Schnellverfahren im überfüllten, lärmenden Saal eines Standesamtes irgendwo in Oklahoma statt, mit Strafgefangenen in Handschellen als Trauzeugen. Beim zweiten Mal stehen Marina und Neil mit dem Priester in einer leeren Kirche, sie in festlichem Weiß, er sehr ernst.

Szene mit Ben Affleck und Olga Kurylenko.
Eventuell sind diese Eheschließungen jedoch nur verstörende Mindgames. Denn der realistische Look des Films trügt. Eher poetisch lotet „To The Wonder“ die verwirrten Gefühle dreier Menschen aus, die mühsam körperliche Anziehung in dauerhafte Bindung verwandeln wollen. Neil und Marina stehen im Mittelpunkt. Bei einem Ausflug zu der Abtei von Mont Saint-Michel, in Frankreich für ihre Wunder bekannt, haben sie sich ineinander verliebt. Marina zieht daraufhin mit ihrer kleinen Tochter Tatiana (Tatiana Chiline) von Paris nach Oklahoma, wo Neil für die Umweltbehörde Verschmutzungen infolge der Erdölförderung untersucht. Stürmische Leidenschaft weicht bald Irritation und Entfremdung. Erst recht, als Neil eine Jugendfreundin, die attraktive Rancherin Jane (Rachel McAdams, „Passion“), wiedertrifft.

Der hier hünenhaft und fast griesgrämig auftretende Ben Affleck, für „Argo“ mit dem Produzentenoscar prämiert, dient vermutlich als Alter Ego des Regisseurs. Denn offenkundig arbeitet Terrence Malick in „To the Wonder“ seine kompliziert verlaufene Beziehung zu einer Französin auf. Zumal Malick dabei keine rühmliche Figur gemacht haben soll, dürfte die bisweilen mit einer Ode verglichene, edle Form des Films auch Schutzpanzer sein.

Malick-Fans hingegen werden lieber von einer Weiterentwicklung seiner Kunst sprechen. Zwischen Amerika und Frankreich, zwischen romanischem Sakralbau und auf der Prärie weidenden Büffeln entspinnt sich ein assoziatives visuelles Gedicht, immer mit den Akteuren im Fokus und unterlegt von ihren hypnotisierenden Stimmen. Nach dem vergleichsweise geradlinigen „Goldene Palme“-Gewinner „Tree of Life“ huldigt Malicks jüngstes Werk ungehemmt dem Ausdruck reiner Empfindung.

Szene mit Javier Bardem.
Variierte Wiederholungen von Situationen und Stimmungen geben perfekt Malicks Vision von erotischer Liebe als ständigem Sichlösen und Neuverbinden wieder. Denn weder Himmel noch Erde geben Halt. In einer glanzvollen Nebenrolle hadert Oscarpreisträger Javier Bardem („No Country For Old Men“) als vereinsamter Pater Quintana mit Gott, weil ihm die Kraft fehlt, seinen verelendeten Gemeindemitgliedern Trost zu spenden.

Arm dran ist auch das Land. Die Ölindustrie verseucht den Boden, die vielversprechende Weite Oklahomas entpuppt sich als Ödnis zwischen Einkaufszentren und Straßenkreuzungen. Solange das Titel gebende Wunder nicht eintritt, füllt Bond-Girl Olga Kurylenko („James Bond 007 – Ein Quantum Trost“) als Marina die Leere der spirituellen und ökologischen Katastrophe mit der verzweifelten Energie ihres schier unerschöpflichen Tanzes. Mag sein, dass das kitschig bis nervig ist und Malick sich nicht ehrlich seinen privaten Verfehlungen stellt – „To The Wonder“ beeindruckt dennoch als kühnes Stück Erzählkino.

Text: Andreas Günther / Fotos: Studiocanal
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: To The Wonder
Genre: Drama
Freigabealter: 0
Verleih: Studiocanal
Laufzeit: 112 Min.