Gewaltiges 3D-Stakkato

Sage nur kein Sterblicher, das Thema Vampire holt keinen Werwolf mehr hinter dem Ofen hervor: Über 25 Millionen Dollar spielte “Underworld Awakening” am ersten Wochenende in den USA ein. Dabei macht die schöne Kate Beckinsale eigentlich auch diesmal nur das, was sie in der nun insgesamt schon vier Filme umfassenden Düster-Reihe ihres produzierenden Ehemanns Len Wisemen immer tat: hässliche Lykaner umnieten und sich in hautenger Lack- und Lederkluft durch eine sinistre Welt ballern. Aber weil die sexy Vampirella Selene erstmals in 3D vorstellig wird und die brutale Horrormär (FSK 16) mit geradezu absurder Detailbesessenheit auf die volle Wirkung der neuen Technik hin inszeniert wurde, ist die Spitze der US-Kinocharts gar keine sonderliche Überraschung – mehr Schauwert hatte noch keine einschlägige Produktion zu bieten.

Tonnenweise Bleikugeln, Wurfsterne, Äxte, Silbergranaten, Autowracks, Leichen(teile), zottelige Werwolfmonster und immer wieder Kate Beckinsale in ihren niedlichen Latexklamotten … – wirklich erstaunlich, was einem in kaum 90 Minuten 3D-Kino so alles um die Ohren fliegen kann.

Er hat seine eigenen Gründe, Selene zu helfen: Detective Sebastian (Michael Ealy).


Selene erwacht in einer Welt, in der die Menschen Bescheid wissen: Nach langen Kriegen haben sie Werwölfen und Lykanern den Garaus gemacht. Denken sie. Aber es gibt sie noch, die Vampire in ihren Höhlen, die Lykaner in den finsteren Katakomben der Großstädte. Und Selene liegt in einer Art Eisbox. Aber der schönen Vampiren gelingt die Flucht aus dem Labor, in dem sie gefangen gehalten wurde – und mit ihr entkommt “Subject II”, ein junges Mädchen, das sich bald als Selenes Tochter entpuppen wird. Schnell lernt die Kleine, ein von allen Seiten gefürchteter Hybrid, mit ihren urgewaltigen Kräften umzugehen. Werwölfen mit bloßen Händen den Schädel aufreißen? Eine ihrer leichtesten Übungen. Nachwuchsstar India Eisley ist als Engelchen mit teuflischen Kräften eine echte Entdeckung, die Linda Blairs Auftritt in “Der Exorzist” wie einen Kindergeburtstag erscheinen lässt.

Abstrus ist die ganz bewusst undefinierbare zeitliche Verortung der Geschichte. Man sieht 80er-Jahre-Schlitten und modernste Technik, und weiß nicht so recht, was dieser Kunstgriff soll. Aber im Grunde ist das egal. “Underworld – Awakening” ist ein Spektakel mit gewaltigen Fantasiefiguren, schaurigen Schauplätzen und expliziter Gewalt. Ein Mords-Blutbad, bei dem der Zuschauer diesmal mittendrin statt nur dabei ist – was sich wirklich nachhaltig auf die Konsumierung auswirkt: Man kriegt zwar den Mund vor lauter Staunen über all die Effekte nicht mehr zu, aber die Story bleibt vor lauter Ablenkung fast komplett auf der Strecke. Das ist angesichts der einmal mehr recht kruden Fantastereien um Werwölfe und Lykaner ja nicht weiter tragisch, allerdings leidet auch die Gothic-Atmosphäre, die den Vorgängerfilmen so viel Reiz verlieh, erheblich unter dem 3D-Stakkato.

Die Menschen machen Jagd auf Vampire ind Lykaner. Aber sie kriegen längst nicht alle ...


Was bleibt, ist ein mitunter comichaftes Gemetzel auf allerhöchstem technischen Niveau, das zum einen der bloßen Unterhaltung dient, und zum anderen Kate Beckinsale in ihrer – ob sie das nun gerne hören mag oder nicht – Paraderolle als sportives Gothic-Chick abfeiert. Und diesen Part erledigt sie einmal mehr umwerfend.

Text: Frank Rauscher Fotos: 2011 Sony Pictures Releasing GmbH

Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 02.02.2012
Freigabealter: ab 16 Jahren
Verleih: Sony
Originaltitel: Underworld Awakening
Laufzeit: 88 Min.