Liebe zwischen den Welten

Endzeit-Szenarien, futuristische Welten, entseelte Gesellschaften – die Literatur und das Kino erzählen oft und gern davon, man denke etwa an George Orwell oder Fritz Lang. Science Fiction ist ein dankbares Genre, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und wo es gelingt, entstehen bemerkenswerte Parabeln und unvergessliche Utopien. Juan Diego Solanas, der zu seinem Film „Upside Down“ auch das Drehbuch geschrieben hat, entwirft eine spektakuläre Version von Romeo und Julia, in der die Liebenden in zwei Welten leben, und das im wörtlichen Sinne. Nicht nur die gesellschaftlichen Umstände, auch die Schwerkraft machen eine Verbindung eigentlich unmöglich. Aber wir sind ja, zum Glück, im Kino …

Szene mit Jim Sturgess.
Es ist die alte Geschichte: Ein Junge aus der unteren Welt – in diesem Fall heißt er Adam („Cloud Atlas“-Star Jim Sturgess) – liebt ein Mädchen aus der oberen, die bezaubernde Eden (Kirsten Dunst). Aber ihre zarte, verbotene Liebelei in einem apokalyptisch anmutenden Gebirge endet dramatisch: Ein Polizeitrupp trennt die beiden brutal, und beim Sturz verliert Eden ihr Gedächtnis.

Aber Adam kann dieses Mädchen nicht vergessen. Als Erfinder einer geheimnisvollen Antifalten-Creme, die die oberflächliche oberen Welt mehr als alles andere begehrt, bewirbt er sich zehn Jahre später bei TransWorld, wo auch Eden arbeitet. Das Hochhaus des mächtigen, kafkaesken Konzerns verbindet die beiden Welten, von denen jede ihre eigene Schwerkraft hat. Grenzüberschreitungen sind ohnehin tabu. Und dann gibt es noch das Problem mit Edens Amnesie. Doch was Adam antreibt, ist die Hoffnung auf ein besseres Leben. So wird er zum tragikomischen Wanderer zwischen unmöglichen Welten …

Dieses Setting bildet die Ausgangsbasis für eine verrückte Geschichte, die Adam, die Hauptfigur, aus seiner Perspektive erzählt. In „Upside Down“ schöpft Regisseur Solanas mit vollen Händen aus den schwelgerischen Möglichkeiten computergenerierter Visionen. Die Zwillingswelten, in denen sich Adam und Eden jeweils bewegen, sind grandiose, monochrome Landschaften, durchzogen von einer Atem beraubenden, babylonischen Architektur. Die Problematik mit der Schwerkraft sorgt hier und da für komische Momente; etwa wenn Adams künftiger Chef beim Vorstellungsgespräch kopfüber an der Decke sitzt, oder Adam ahnungslos die Toilette der oberen Welt benutzt.

Szene mit Jim Sturgess & Kirsten Dunst.
Für sein romantisch hoffnungslos verklärtes Endzeit-Märchen findet Regisseur Solanas poetische Bilder; mittels Computer zaubert er Sonnen von ätherischer Schönheit – und alles in brillanter 3D-Optik. Allein visuell ist dieser Film durchaus ein Eyecatcher, selbst dann, wenn die Grenze zum Kitsch lustvoll überschritten wird. Mag die Story an sich eher simpel sein, so wohnt ihr doch eine höchst verführerische Botschaft inne: dass Liebe selbst die Schwerkraft überwinden kann.

Ganz im Sinne der konventionellen Klassenkampf-Rhetorik übt diese Sci-Fi-Lovestory auch Kritik an den ungerechten, gesellschaftlichen Verhältnissen; an den Reichen, die beständig die Armen ausbeuten. Doch das muss nicht so bleiben, suggeriert uns der euphorisierte Adam auf seiner Heldenreise – man kann die Verhältnisse ändern! Im Film ist alles möglich, und das Kino macht sie mit „Upside Down“ einmal mehr wahr: die Utopie von einer besseren, obschon verkehrten Welt.

Text: Heidi Reutter / Fotos: 2013 Concorde Filmverleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Drama
Freigabealter: 6
Verleih: Concorde
Laufzeit: 109 Min