Echte Herzensangelegenheiten

„’Twilight’ mit Zombies“ unkten viele Kritiker, als sie den Trailer zur im wahrsten Wortsinn herzerwärmenden Horror-Komödie „Warm Bodies“ zum ersten Mal sahen. Zugegeben, die eine oder andere Parallele zur verkitschten Vampir-Romanze mag in der Verfilmung von Isaac Marions gleichnamigem Jugendroman vorhanden sein. Allerdings findet sich auch ein eklatanter Unterschied: Das hilflose Wesen ist hier kein blasses, kulleräugiges Mädchen, sondern ein untoter Typ. Der muss sich nicht nur auf die Zuneigung, sondern auch die Unterstützung einer quicklebendigen, taffen Kämpferin verlassen, um sich und seinesgleichen vor der Ausrottung zu retten.

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Zombie R (Nicholas Hoult) begegnet der wehrhaften Amazone Julie (Teresa Palmer) auf einem seiner Beutezüge. Die rigorose Blondine hinterlässt Eindruck, und so rettet R sie vor seinen blutrünstigen Artgenossen. Allerdings steht die aufkeimende Beziehung der beiden vor einem entscheidenden Problem: R fällt es nicht so leicht, sich seiner Umwelt mitzuteilen. Während er im Off-Kommentar mit viel Ironie über sein furchtbar ödes Dasein sinniert und klassische Teenager-Probleme wälzt, kann er sich im echten Leben tatsächlich nur mit Grunzlauten, grober Motorik und eingeschränkter Mimik verständlich machen.

Doch der Umgang mit seiner neuen Vertrauten bringt eine ungewöhnliche Wandlung in Gang: Je mehr Zeit das Duo in Rs Quartier mit dem Hören von Platten und schwerfälliger Kommunikation zubringt, desto menschlicher verhält sich der Zombie. Hierbei erbringt Jungstar Hoult, der vielen als das dickliche Kind aus „About A Boy oder: Der Tag der toten Ente“ (2002) bekannt sein dürfte, eine beachtenswerte schauspielerische Leistung: Rs langsame Re-Humanisierung auch darstellerisch zu vermitteln, war definitiv eine Herausforderung, die der 23-Jährige scheinbar mit links meistert – aus dem ansehnlichen Zombie-Boy wird allmählich ein noch ansehnlicherer Menschen-Traumboy. Das wird nicht nur durch die verbesserte Sprachfähigkeit, sondern auch durch die subtile Veränderung des exzellent gestalteten Make-Ups deutlich.

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Mit der Verwandlung, die auch Rs Zombie-Kollegen irgendwie ansteckt, stellt sich allerdings schon die nächste Schwierigkeit: Julies akut zombiefeindlicher Vater General Grigio (hervorragend: John Malkovich) muss davon überzeugt werden, dass sich die wandelnden Leichen auf dem Wege der Besserung befinden und nicht mehr abgeschlachtet werden dürfen. Das führt zu einiger Verwirrung bei den Lebenden, denn die netten Zombies lassen sich nicht ohne Weiteres von den immer noch bösen Gehirnschlürfern unterscheiden. Einige absurd-witzige Szenen, die zum Großteil leider schon im Trailer verbraten wurden, sind die Folge.

Regisseur Jonathan Levine, der bereits bei der Krebs-Dramödie „50/50 – Freunde fürs (Über)Leben“ (2012) ein glückliches Händchen für ungewöhnliche Stoffe bewies, liefert mit „Warm Bodies“ eine stimmige Horror-Komödie ab. Ein cleverer Schachzug war es zudem, Autor Isaac Marion auch für das Schreiben des Drehbuchs zu verpflichten. Weil er seine Figuren kennt wie kein anderer, sind sie – um erneut den „Twilight“-Vergleich zu bemühen – weder schablonenhaft noch klischeebeladen. Vielmehr dürfen sich sowohl Menschen als auch Zombies einmal so richtig austoben und die volle Bandbreite ihrer Emotionen durchleben. Außerdem gibt’s neben den ganz großen, ganz und gar unkitschigen Gefühlen auch noch reichlich Action und sogar ein bisschen augenzwinkernde Moral. „Warm Bodies“ dürfte daher einer der wenigen Filme sein, auf den sich Pärchen ohne große Streitereien einigen können. Das schaffte die „Twilight“-Saga definitiv nicht.

Text: Christina Freko / Fotos: 2013 Concorde Filmverleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Warm Bodies
Genre: Horror
Freigabealter: 12
Verleih: Concorde
Laufzeit: 98 Min.