Heilige auf Bestellung

Hollerbach ist am Ende. Einst ein florierendes Ski-Paradies, hat Gott irgendwann beschlossen, es nicht mehr schneien zu lassen. Ohne Schnee aber kann das Alpendorf nicht überleben, weiß Wirt Georg (Christian Ulmen). Um Touristen anzulocken, will er die Strahlkraft der Kirche nutzen und seine vom Kreuz erschlagene Schwiegermutter (Hannelore Elsner) heilig sprechen lassen. Da das mit den Wundern aber nicht so klappt, müssen die Dorfbewohner eben etwas nachhelfen … So respektlos „Wer’s glaubt, wird selig“ (2012) auch ist: Regisseur Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“, 2006) trifft den richtigen Ton, um seine sympathische Katholikenklamotte zu einer amüsanten, gescheiten, rabenschwarzen, aber zu keinem Zeitpunkt bösartigen Eulenspiegelei zu machen.


Mit spitzer Zunge, schrulligen Figuren und derben Albernheiten lassen sich Regisseur Rosenmüller, sein Co-Drehbuchautor Jeremy Leven und die unbeschwerten Darsteller genüsslich über Frömmelei und Doppelmoral in der bayrischen Provinz aus. Mit Christian Ulmens Georg steht ein Mann im Mittelpunkt, der so gar nicht in die malerische Bajuwarität Hollerbachs passt: Mit norddeutscher Schnodderigkeit erklärt er den Dorfbewohnern, dass nur eine Heiligsprechung Daisys den Ort retten kann.

Zusammen mit einem trotteligen Polizisten (Simon Schwarz), seiner freizügigen Schwägerin (Lisa Marie Potthoff) und einem kauzigen Dorflehrer (Maxi Schafroth) denkt er sich die nötigen Wunder aus, um den Vatikan zu überzeugen. Irgendwann wird die ganze Scheinheiligkeit natürlich auffliegen, aber bis dahin hat Rosenmüller in Hollerbach die totale Anarchie ausbrechen lassen. Und darüber schmunzelt dann sogar der Papst (Nikolaus Paryla), der von Georg nicht nur Spaghetti und Rotwein serviert bekommt, sondern auch eine außergewöhnliche Geschichte.


Weder anarchisch noch scheinheilig geben sich die technischen Details von DVD und Blu-ray Disc. Der Surroundmix beider Scheiben wurde ordentlich abgemischt: Mit dezenten Raumeffekten, einer guten Musikuntermalung und klaren Dialogen werden die Boxen gut eingesetzt. Das klare Bild zeigt satte Farben, gut herausgearbeitete Schwarztöne und einen ausgewogenen Kontrast. Die Optik beider Discs wirkt recht sauber, wenn auch auf der DVD einige verschwommene Kanten sichtbar sind. Im ordentlichen Bonusteil gibt es ein ausführliches Making Of, entfallene und verpatzte Szenen, Interviews sowie Featurettes.

Text: Ludwig Kramer / Fotos: Constantin / Highlight
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 6
Studio: Constantin
Laufzeit: 97 Min.
Ab 17.1. im Handel, ca. 15 Euro