Manche mögen’s kalt

War es Selbstmord? Ein Unfall? Oder doch Mord, angeordnet von höchster Stelle? Ein halbes Jahrhundert, nachdem Marilyn Monroe leblos in ihrem Schlafzimmer gefunden wurde, rätselt die Nachwelt immer noch über die genauen Umstände ihres Todes. Könnte ein Film mit dem Titel „Who killed Marilyn?“ also zu einem besseren Zeitpunkt erscheinen als kurz vor dem Todestag der Filmlegende, der sich am 5. August zum 50. Mal jährt? Allerdings dreht sich die skurrile französische Komödie nicht direkt um die Monroe, sondern um eine Dorfschönheit, die der berühmten Blondine erstaunlich ähnlich sieht.

Bei solchen Aussichten geht man doch freiwillig zur Feuerwehr. Candice Lecoeur (Sophie Quinton) war für jeden sexy Job zu haben, ob Kalenderblatt oder Wetterbunny.



Als der schreibblockierte Krimiautor Rousseau (Jean-Paul Rouve) in die verschneite Käse-Heimat Franche-Comté zurückkehrt, um das Erbe seines Onkels anzutreten, das sich als ausgestopfter Hund entpuppt, scheint sein Leben auf der Stelle zu treten. Mindestens genauso gut präpariert wie sein Erbstück, nur viel schöner, findet sich just zu dieser Zeit die Leiche eines blonden Werbe-Sternchens mit frappierender Ähnlichkeit zu einer längst verstorbenen, weltbekannten Blondine. Deren Todesumstände sind Mythos, Candice Lecoeurs (Sophie Quinton) müssen erst aufgedeckt werden.

Doch niemand außer dem Dichter und dem kleinen Polizisten Bruno (Guillaume Gouix) scheint an der offiziellen Selbstmordversion zu zweifeln. Somit machen sich die Männer auf die aberwitzige Suche nach der Wahrheit. Auf den endlich wieder von der Muse geküssten Schriftsteller wartet Stoff vom Feinsten, nur leider im Laufe seiner Ermittlungen auch so manch hinterhältiger Anschlag.

Manche mögen's heiß: Polizeiliche Ermittlungen im Fall Lecoeur (Jean-Paul Rouve,
oben, und Guillaume Gouix) finden gern mal in der Sauna statt.



Während er sich anhand der Tagebücher der Dorfdiva Candice Lecoeur immer mehr in sie einfühlt, wird der Aufstieg der Dame in Rückblenden erzählt. Auf originelle Weise zieht die Geschichte Parallelen zu Candices großem amerikanischen Vorbild. Die Schauspielerin Sophie Quinton ist dabei eine Entdeckung. Ohne Marilyn Monroe spielen zu müssen, legt sie viel von deren naiver Verführungskraft in die Rolle. Zwischen dem Ermittler Rousseau und der ehemaligen „Belle de Jura“ entsteht so etwas wie eine postmortale Verbundenheit – fast hat man das Gefühl, die Krimikomödie ist sogar ein Liebesfilm.

Auf jeden Fall liebt der Regisseur Gérald Hustache-Mathieu seine auch sonst skurrilen Bewohner des kältesten Ortes Frankreichs, Mouthe. Durch sein Erzähltalent mit Händchen für Querverweise, augenzwinkernde Komik und die manchmal unheimliche Provinz entsteht ein überraschend spannender und doch leichter Film. Die Intrigen und Fallstricke der Story funktionieren wunderbar und es macht Spaß, die Rollen hinter den sprechenden Namen zu ergründen. Die Kinokarte lohnt jedoch allein schon wegen José Felicianos unfassbar schöner Version des Songs „California dreamin’“, die sich kongenial in die Winterbilder des Films einfügt.

Text: Maret Wolff / Fotos: Koch Media / Jean-Claude Lother
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: Poupoupidou
Genre: Komödie
Verleih: Koch Media