Noch einmal mit Gefühl

„Danke, dass ihr mitleidet“, begrüßte Regisseurin Andrea Arnold im Sommer 2012 die zahlreichen Zuschauer, die zur deutschen Erstaufführung ihrer Brontë-Verfilmung „Wuthering Heights“ (2011) beim Münchner Filmfest erschienen waren. Mitleiden nicht nur, weil die oft verfilmte Geschichte voll von seelischer Grausamkeit und unsympathischen Charakteren ist: „Das Wetter während der Dreharbeiten war noch viel, viel, viel schlechter, als es im Film aussieht. Wir standen knietief im Schlamm“, erinnerte sich die Britin. Immerhin: Die Strapazen haben sich gelohnt – auch wenn das Kostümdrama nun „nur“ auf DVD Premiere feiert.

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Sorgfältiger als viele ihrer Vorgänger arbeitet Andrea Arnold in ihrer Version den Kern des Klassikers heraus: die Seelenverwandtschaft, die das Findelkind Heathcliff (erst Solomon Glave, später James Howson) und seine Ziehschwester Catherine (erst Shannon Beer, dann Kaya Scodelario) verbindet. Die beiden sind so wild und rau wie die Gegend, in der der titelgebende Hof liegt. Von Kindesbeinen an gehören sie zusammen: Er weiß das, sie weiß das, das Publikum weiß das. Das macht Heathcliffs Wut nur umso nachvollziehbarer, als Catherine sich schließlich doch zur feinen Dame wandelt und nicht ihn, sondern den blasierten Edgar (James Northcote) heiratet. Obwohl sich Arnold sonst sehr eng an der Vorlage orientiert, enthält sie dem Publikum das komplette Ausmaß von Heathcliffs später Rache vor – aber damit auch das Happy End.

Auf DVD lässt der Film, den Regisseurin Andrea Arnold nach eigener Aussage deshalb in 4:3 drehte, „um Einzelpersonen besser gerecht zu werden“, leider an Leidenschaft vermissen. Das Bild weist dabei die wenigsten Schwächen auf: Obwohl ständig die Kamera wackelt, sind die Schärfewerte gut. Häufige Wechsel von sehr dunkel zu sehr hell transportiert die Disc überwiegend sauber, allein die Schwarzwerte sind schwammig. Der Sound ist sehr frontlastig und insgesamt eher zurückgenommen. Effekte sind rar, die wenigen Dialoge sind allerdings immer klar. Als Bonusmaterial gibt es lediglich einen knapp dreiminütigen Zusammenschnitt von Impressionen vom Filmfest in Venedig.

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Text: Maja Daebel / Fotos: 2012 Prokino
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Freigabealter: 12
Studio: Prokino
Laufzeit: 123 Min.
Im Handel, ca. 13 Euro