Wie viel DDR steckt in dir?

Plötzlich war die Grenze offen und die DDR Geschichte. Welch’ ungeahnte Möglichkeiten taten sich mit einem Mal für Sabine Michel und ihre vier besten Freundinnen auf, die wenige Monate vor dem Mauerfall in Dresden ihr Abitur gemacht hatten! Und welch’ ungeahnte Probleme: Das Gesellschaftssystem, für das sie erzogen wurde, existierte plötzlich nicht mehr. In ihrer Dokumentation „Zonenmädchen“ beleuchtet Michel, mittlerweile Filmemacherin in Berlin, wie sich die Freundinnen von einst mit der Wende arrangierten – und versucht zu ermitteln, „wie viel Zone noch in den Zonenmädchen steckt.“

In Dresden wuchsen die fünf Freundinnen auf.

 

Dass es „das“ Zonenmädchen eigentlich nicht geben kann, wird schon deutlich, wenn Sabine Michel und ihre Freundinnen auf die jeweilige Kindheit zurückblicken: Claudi wuchs im Dresdner Villenviertel auf, Claudia im Plattenbau, Sabine Michel selbst lebte gar eine paar Jahre in Afrika. Die Mutter von Veruscha war überarbeitete Alleinerziehende, die von Claudi wiederum ein russischer Freigeist. Vera musste als Kind gar den Selbstmord ihrer Mutter verarbeiten. Alle fünf erlebten ihre persönlichen Tragödien und Glücksmomente. Und die hatten meist erstaunlich wenig mit dem politischen System des Landes zu tun, in dem sie ihre Kindheit verbrachten.

In Paris erinnern sich Claudia, Vera, Veruscha, Sabine und Claudi an alte Zeiten.

 

Sabine Michel verdeutlicht in ihrer sehr persönlichen Dokumentation, dass kein Fernsehfilm und keine Dokumentation wohl je erklären kann, wie das Leben in der DDR nun wirklich war, weil es schon damals 20 Millionen verschiedene Sichtweisen darauf gab. So lassen letztlich auch die interessanten Wege, die die Freundinnen nach dem Mauerfall einschlugen, kaum Schlüsse auf Wesenszüge oder Haltungen zu, die die „Zonenmädchen“ verbinden könnten. Teilweise wohl aber auch, weil sich die Filmemacherin manchmal in Nebenbetrachtungen verliert und sich vermutlich nicht immer traute, ihren Freundinnen die Fragen zu stellen, die sie anderen Gesprächspartnern gestellt hätte.

 

Text: Annekatrin Liebisch/ Fotos: Mindjazz Pictures
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Dokumentarfilm
Freigabealter: 0
Verleih: mindjazz
Laufzeit: 90 Min.