Keine Chance zu entkommen
Dass die Kombination perfekt ist, realisiert man erst, wenn man schon mittendrin ist: James Cameron präsentiert die „Traumwelten“ des Cirque du Soleil. Der Meister der cineastischen Vision macht gemeinsame Sache mit jener kanadischen Artistengruppe, die mit ihrem allumfassenden optischen Konzept das Prinzip Zirkus revolutionierte. In der 3D-Produktion entführt der Cirque du Soleil in „Traumwelten“, die einen vom ersten Moment an gefangennehmen.


Gerade hatte man sich zurechtgeruckelt auf seinem Sitz, gewillt, sich mit Neutralität und einer angemessenen Skepsis der Kino-Revue „Cirque du Soleil: Traumwelten“ anzunähern, die Cameron, der Mann hinter „Titanic“ und „Avatar“, als ausführender Produzent begleitet hat. Schon ist es passiert: Man hat sich weggeträumt, der Film von Andrew Adamson holt einen sofort in eine Fantasiewelt. Ein Mädchen mit großen dunklen Augen, verspieltem Kleid und Strickjacke geht in den Zirkus, und nach einer kurzen Einleitung lässt Treibsand sie eine Etage tiefer, hinein in eine neue Welt versinken: Sie landet freilich nicht im antiquierten Zirkus, den sie besuchen wollte, sondern im Cirque du Soleil.


Wer weiß, ob die herausragende „Traumwelten“-Inszenierung auf die Leinwand verlegt worden wäre, wenn die 3D-Technik in den letzten Jahren nicht alltagstauglich geworden wäre. Auch wenn es bereits Produktionen gegeben hat, die plastischer wirkten, funktioniert der Zirkuszauber in 3D bestens: Mit Anmut und Grazie zeichnen die Artisten imposante Gemälde am Boden, im Wasser und in der Luft. Besonders die Darbietungen mit Wasser wirken vollendet, entwickeln eine Magie, der man sich schwer entziehen kann.



Verzeihbar misslungen ist der Versuch, eine zusammenhängende Geschichte um die einzelnen Auftritte zu stricken. Verschrobene Figuren mit zerzaustem Haar und grellem Lachen führen das umherirrende Mädchen von Station zu Station mit keiner anderen Intention, als das Können der Artisten zu zeigen.


Die begnadeten Körper funktionieren fehlerfrei. Nur einmal deutet sich bei einer Artistin in der Nahaufnahme ein Schweißfleck an. Eine menschliche Regung in all der Perfektion? Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Fleck dann doch „nur“ als Applikation im Kostüm – natürlich.


Die enormen Kulissen, die gefühlte Schwerelosigkeit faszinieren. Sogar Hasen wirken anmutig in einem Spektakel, das seinen Höhepunkt in einer irrwitzigen Rhönradnummer findet. Spätestens dann steht einem der Mund offen: Staunen ist im Cirque du Soleil ausdrücklich erlaubt.


Text: Claudia Nitsche /
Fotos: 2012 Cirque du Soleil Burlesco / Mark Fellman / Cos
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: Cirque du Soleil: Worlds Away
Genre: Besonderes
Freigabealter: 6
Verleih: Paramount
Laufzeit: 91 Min.