Anderer Planet, selber Schwachsinn

Krieg, Gewalt und Machthunger – es gibt nirgends im Universum ein Entrinnen: “Tarzan”-Erfinder Edgar Rice Burroughs schickte einen verbitterten Soldaten nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs zum Mars. Doch erholen kann sich der kriegsmüde John Carter nicht: Die Marsianer sind irgendwie auch nur Menschen. Burroughs’ “Barsoom”-Romanreihe entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als Allegorie auf die Sinnlosigkeit des Krieges und die Leiden, mit denen die Soldaten oft noch nach Jahren zu kämpfen hatten. In diesem Sinne ist der US-Fantasyfilm “John Carter – Zwischen zwei Welten” heute aktueller denn je: Aber das merkt man der Verfilmung nur selten an.

Gut gebrüllt Monster: John Carter (Taylor Kitsch) muss sich in einem Schaukampf gegen Marsungeheuer beweisen.



Nach dem Ende des Krieges zwischen Nord- und Südstaaten will sich John Carter (Taylor Kitsch) vor allem um sein persönliches Glück kümmern. Er hat zu viel Grauen gesehen, zu lange gekämpft, zu viel persönliches Leid erfahren. Die Suche nach Gold soll ihm Ablenkung verschaffen – doch damit ist es vorbei, als er ein geheimnisvolles Amulett findet, das ihn auf den Mars beamt.

Anderer Planet, selber Schwachsinn: Der Mars ist dem Untergang geweiht, weil sich die Völker dort seit Jahrhunderten bekriegen. Als würde ihn die fremde Welt mit exotischen Lebewesen und faszinierenden Technologien nicht genug überfordern, wird John Carter als Heiland angesehen und mischt sich wider Willen in den Konflikt ein. Sehr zur Freude von Marsprinzessin Dejah (Lynn Collins), die nicht nur klug und rebellisch ist, sondern sich auch in den Erdling verliebt.

Als potenzieller Blockbuster angelegt, ist “John Carter” vor allem ein Unterhaltungsspektakel – und will auch nicht mehr sein. Die Schauwerte sind wichtiger als der Inhalt, subtile Töne gehen im Getöse wahnwitziger CGI-Schlachten standesgemäß in 3D unter. Aber bei “John Carter” wirkt das ermüdend: Man hat sich schlichtweg satt gesehen an den sündhaft teuren Großproduktionen, die in Hollywood in den letzten Jahren am Fließband produziert wurden.

Die Tharks, grüne Riesen auf dem Roten Planeten, überlegen, ob sie sich die Kriegsdienste von John Carter (Taylor Kitsch) sichern wollen.



Statt Originalität gibt es CGI-Animationen aus dem Blockbuster-Baukasten, einen standardisierten Handlungsablauf und humorlose Dialoge. Das ist sehr schade, weil Burroughs vor 100 Jahren ziemlich exakt vorhersagte, wie die Welt heute aussieht: Es geht um Superwaffen, religiösen Wahn und ökologische Desaster – und darum, dass die Vernunft keine Chance hat, wenn Männer mit Allmachtsfantasien Politik machen.

Natürlich hat der von Andrew Stanton (“Wall-E”) inszenierte Film seine hübschen Momente – die lange andauernde Unwissenheit John Carters, wo er eigentlich landete, ist genauso köstlich, wie die veränderten Schwerkraftverhältnisse: Der Mann kann plötzlich über Stadien springen und auf Wolkenkratzer. Aber trotz vierarmiger Marsianer, riesiger Monster, fliegender Libellenschiffe ist der Film nicht mehr als ein Fantasy-Spektakel unter vielen. Dass mit Taylor Kitsch und Lynn Collins zwei Hauptdarsteller engagiert wurden, die mit ihrem Mienenspiel auf Hartholzniveau latent überfordert wirken, fällt da schon gar nicht mehr ins Gewicht.

Text: Andreas Fischer / Fotos: 2011 Disney / John Carter Erb Inc.

Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 08.03.2012
Freigabealter: 12
Verleih: Disney
Originaltitel: John Carter
Laufzeit: 132 Min.