Der Unbestechliche

Liest man die Besetzungsliste von Robert Redfords neustem Regiestreich „The Company You Keep – Die Akte Grant“, bei dem er selbst wieder einmal die Hauptrolle übernahm, erwartet man einen spektakulären Film: Shia LaBeouf und Susan Sarandon geben sich die Ehre, Nick Nolte, Julie Christie, Terrence Howard, Anna Kendrick, Chris Cooper, Sam Elliott, Richard Jenkins und Stanley Tucci, um nur einige zu nennen. Kurzum: Halb Hollywood schien sich darum zu reißen, an dem neuen Projekt des Filmveteranen Redford teilzuhaben.

Szene mit Robert Redford.
Autor Lem Dobbs, der für Soderberghs Action-Kracher „Haywire“ verantwortlich war, hat aus der Buchvorlage Neil Gordons das Drehbuch für Redfords Staraufgebot entwickelt. Auch Kameramann Adriano Goldman, der 2009 mit „Sin Nombre“ beim renommierten Sundance Filmfestival den Preis für die beste Kamera erhielt, erscheint die perfekte Wahl für 122 aufregende Kinominuten.

Der mittlerweile 76-jährige Redford spielt Jim Grant, einen Anwalt, der in einem kleinen Kaff lebt und seine Tochter Isabel (Sängerin Jackie Evancho) alleine großzieht. In den 60-ern gehörte er der linksextremistischen Gruppierung „The Weathermen“ an, die es tatsächlich gegeben hat. Der Banküberfall mit tödlichem Ausgang, der in dem Film eine entscheidende Rolle spielt, hat aber so nie stattgefunden.

Als Grants ehemalige Weggefährtin Sharon Solarz (Susan Sarandon) 30 Jahre nach ihrer aktiven Zeit vom FBI verhaftet wird, verbeißt sich der von der Zeitungskrise gebeutelte, ehrgeizige Lokalreporter Ben Shepard (Shia LaBoeuf) in den Fall. Bei seinen Recherchen stößt er auch auf Grant, und treibt den Familienvater dazu, vor ihm und dem FBI abzutauchen. Jedoch merkt Shepard schon bald, dass Grant nicht wirklich auf der Flucht, sondern eher auf der verzweifelten Suche nach etwas ist – nämlich dem weiblichen Kopf der einstigen „Weathermen“. Von seiner ehemaligen großen Liebe „Mimi“ Lurie (Julie Christie) erhofft sich Grant nämlich, dass sie ihn entlastet …

Szene mit Shia LaBoeuf.
Ganz offensichtlich ging es dem politisch sehr engagierten Redford in „The Company You Keep – Die Akte Grant“ vornehmlich darum, breitenwirksam über die feine Grenze zu sinnieren, die gewaltbereiten Aktivismus von Terrorismus trennt. Auch ein erschreckend gealterter, aber selbstredend immer noch großartiger Nick Nolte darf zu diesem Zweck einen Polit-Veteranen vom rechten Schlag spielen. Nur leider kann die fantastische Riege in Würde gealterter Schauspieler das Geschehen auf der Leinwand kaum richtig zum Leben erwecken, was an der allzu ambitionierten Regie liegen mag: Immerhin möchte der Film Familiendrama, Thriller, historische Lehrstunde und aktuelles politisches Statement zugleich sein. Oder man schiebt die Schuld dem Drehbuch zu, das die Ausnahmeschauspielern zu häufig politische Thesen diskutieren lässt.

In Bob Dylans Song „Subterranean Homesick Blues“, nachdem sich die amerikanische Aktivistengruppe aus den 60-ern benannt hat, heißt es sinngemäß, man brauche die „Weathermen“ nicht, um zu wissen, woher der Wind weht. Robert Redford, der vielen Zuschauern noch als Enthüllungsjournalist im Watergate-Skandalfilm „Die Unbestechlichen“ (1976) in Erinnerung sein dürfte, möchte dem Zuschauer leider allzu deutlich vermitteln, aus welcher Richtung der politische Wind in den Zeiten der „Weathermen“ wehte und heute weht. Aber dazu braucht man ein recht altmodisch inszeniertes Monstrum von einem über weite Strecken leblos wirkenden Politdrama eigentlich nicht.

Text: Gabriele Summen / Fotos: 2013 Concorde Filmverleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Thriller
Freigabealter: 12
Verleih: Concorde
Laufzeit: 122 Min.