Dem Leben enthoben

Lang und beschwerlich war der Weg, den Aung San Suu Kyi zurücklegen musste, bis sie am 2. Mai 2012 als Abgeordnete ins Parlament von Myanmar, ehemals Birma, einzog: Insgesamt 15 Jahre stand die Menschenrechtlerin wegen ihres Kampfes gegen die Militärregierung in ihrer Heimat unter Hausarrest. Mit „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (2011) setzte Luc Besson („Das fünfte Element“) dieser unbeirrbaren Frau auf DVD und Blu-ray Disc ein ikonisches Denkmal. Sein Film ist allerdings mehr Heiligenbild denn differenziertes Porträt.

Aung San Suu Kyi (Michelle Yeoh) macht den Herrschern Angst:
Das birmanische Regime weiß sich nur mit Drohgebärden zu helfen.



Das politische Engagement der zierlichen Frau, die von Michelle Yeoh gespielt wird, ist aus ihrer familiären Vergangenheit zu erklären. Aung San Suu Kyi fühlt sich ihrem Vater verpflichtet: Aung San war einst Hoffnungsträger in einem Land, das sich gerade erst aus der kolonialen Abhängigkeit gekämpft hatte. 1947 wurde er von Putschisten ermordet. Und die haben sich an der Macht gehalten, als Aung San Suu Kyi Mitte der 80er-Jahre aus England zurückkehrt.

Zu dieser Zeit lebte sie in England, führte ein glückliche Ehe mit Michael Aris (David Thewlis), kümmerte sich um die beiden Söhne Alexander (Jonathan Woodhouse) und Kim (Jonathan Raggett). Sie ist mehr Hausfrau als politische Identifikationsfigur – bis ihre Mutter einen Schlaganfall erleidet und Aung San Suu Kyi nach Myanmar reist und bleibt.

Pflichtbewusst klappert Besson in seinem braven Abriss der Zeitgeschichte die wichtigen Stationen ab: Aung San Suu Kyis Ankunft in Myanmar, ihr Erweckungserlebnis während der blutigen Niederschlagung von Studentenunruhen, den Hausarrest, den Friedensnobelpreis 1991 (den sie erst vor Kurzem entgegennehmen konnte), kurze Phasen scheinbarer Entspannung, den Marsch der Mönche 2007 und wieder Hausarrest.

Manchmal darf Aung San Suu Kyi (Michelle Yeoh) ihren Ehemann Michael (David Thewlis) empfangen - das sind kurze Momente, die ihr wieder Kraft geben.



„The Lady“ ist ein Heldengemälde, unwirklich, überdimensioniert, distanziert von seiner Protagonistin. Verschachtelt erzählt, zeigt es vor allem eine schöne Frau in ihrem goldenen Käfig – weniger die politische Person und noch viel weniger den Menschen. Als emotionaler Anker steht Aung San Suu Kyis Mann Michael im Mittelpunkt: Er kämpft, er leidet, er weint – und er unterstützt seine Frau aus der Ferne.

Die feierliche Musik, die die perfekt durchkomponierten Bilder begleitet, schafft auf Blu-ray Disc eine angenehme Surroundkulisse und steuert alle Boxen präzise an. Insgesamt klingt der Sound deutlich druckvoller als auf DVD. Optisch lässt die BD keine Wünsche offen: Satt leuchtende Farben, optimale Schwarzwerte und Detailgenauigkeit sorgen für einen exzellenten Eindruck. Auch Schärfe und Kontrast sind sehr gut. Im Vergleich wirkt die DVD sehr blass, das Bild mutet oft matschig an. Im Bonusteil findet sich neben mäßig interessanten Interviews noch eine Videobotschaft von Aung San Suu Kyi. Die BD bietet zusätzlich noch einen BD-Live-Zugang.

Text: Maja Daebel / Fotos: Universum Film
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Freigabealter: 12
Studio: Universum Film
Laufzeit: 127 Min.
Ab 3.8. im Handel, ca. 14 Euro