Wo die Liebe hinfällt

Charlotte und Sacha schätzen tragisch endende Liebesgeschichten wie „Casablanca“ oder „West Side Story“. Sie können sich allerdings sicher sein, dass es bei ihnen selbst besser läuft, denn sie sind die Hauptfiguren des Films „Und nebenbei das große Glück“. Eine sympathische romantische Komödie aus Frankreich mit einem ungleichen Liebespaar, gespielt von Sophie Marceau und einer Neuentdeckung in Deutschland: Gad Elmaleh.


Mit dem französisch-kanadischen Filmschauspieler und Komiker marokkanischer Herkunft (geboren in Casablanca) geht die Leistungsschau frankophoner Comedians auf der großen Leinwand weiter. Komische Talente von der Bühne vor die Kamera zu stellen, hat in Frankreich eine lange Tradition. „Ziemlich beste Freunde“ katapultierte zuletzt den jungen Omar Sy in den Kinoolymp. Gad Elmaleh besitzt mit seinen 40 Jahren dagegen schon eine Filmografie mit mehreren Publikumsrennern in Frankreich und besteht als sensibler Wirbelwind und Gegenpool zu Superstar Sophie Marceau bestens. Gespickt mit Albernheiten und Slapstick, aber auch großen Gefühlen läuft diese Komödie von Anfang an auf Hochtouren.

Seit dem Tag, an dem Charlotte (Marceau) ihrem Sacha (Elmaleh) wortwörtlich in die Arme fällt, ist klar: Diese beiden lieben sich. Doch kommen sie auch zusammen? Sie als Noch-Ehefrau des mächtigen Großindustriellen Alain Posche (Francois Berléand) mit drei Kindern, eins davon von ihrem ersten Ehemann, und einem Leben ohne finanzielle Sorgen. Er ein mittelloser Jazz-Pianist und Komponist, der in den Tag hinein lebt und nachts mit seinem Kumpel Frauen mit Musik verführt. Sacha gibt sich große Mühe, ein guter Partner für Charlotte und die Kinder zu werden. Doch nicht alle heißen ihre Beziehung gut. Alain gehört zu den Menschen, die immer über alles die Kontrolle behalten wollen, und er hat auch die Mittel dazu.


Wenn sich „Lucky Luke“-Regisseur James Huth dem Thema Liebe widmet, heißt es in Deckung gehen. In seiner urkomischen schwarzen Komödie „Serial Lover – Die Letzte räumt die Leichen weg“ erledigte die Dame des Hauses aus Versehen einen Liebhaber nach dem anderen. Und auch in diesem Film wird scharf geschossen. Da fliegen Waschbecken mit Karacho aus der Wand und Schals werden zu höchstgefährlichen Stolperfallen. Und wenn eine Treppe mit im Spiel ist, geht das nicht ohne Beulen aus.

James Huth behandelt Sophie Marceau, als wolle er sie von einem virtuellen Thron stürzen. Und ihr scheint das zu gefallen. Das Fehlen jeglicher Arroganz bei beiden Hauptfiguren und das Lachen über sich selbst wirken hier sehr erfrischend. Dazu kommt bei Sacha noch die Welt der Musik, die für einen attraktiven Soundtrack sorgt. Natürlich bemüht Huth bei seinem Zusammentreffen zweier gesellschaftlicher Klassen jede Menge Klischees, das scheint genreimmanent zu sein. Als Cinéphiler stellt er Bezüge zu Klassikern her und sieht seinen Film als eine moderne Version von „Aristocats“, in dem ein Straßenkater die Duchesse und ihre drei Kätzchen trifft. Romantisch, verspielt und ein bisschen verwegen – wer so etwas im Kino mag, liegt hier richtig.

Text: Diemuth Schmidt / Fotos: Senator Film Verleih
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Un bonheur n’arrive jamais seul
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Senator
Laufzeit: 109 Min.