Hollywoodsche Babymania

Kinder zeugen ist nicht schwer – Eltern werden schon. Da ist guter Rat teuer, weshalb sich Eltern-Ratgeber verkaufen wie heiße Semmeln. Heidi Murkoffs „Ein Baby kommt“ aus dem Jahr 1999 wurde über 35 Millionen Mal verkauft und gilt als Bibel für die Schwangeren dieser Welt. Kinderkriegen ist angesichts solcher Verkaufszahlen auch fürs Kino ein denkbar einträgliches Sujet. Nun hat sich der Komödienexperte Kirk Jones an das Thema gewagt und inszeniert ein prominent besetztes Schwangerschafts-Hysterienspiel, wie es Hollywood liebt: Eine humorvolle, wenn auch nicht gerade originelle Komödie zwischen Wehen und Wahnsinn.

Ein Kind um jeden Preis: Holly (Jennifer Lopez) und Alex (Rodrigo Santoro)
haben sich für eine Adoption entschieden.



Das Thema Schwangerschaft und deren Begleiterscheinungen inszeniert Regisseur Kirk Jones anschaulich in fünf Variationen: Da ist zum einen die Fitness-Fanatikerin Jules (Cameron Diaz), deren Schwangerschaft eher überraschend kommt. Aber was soll’s – ein Traum wird wahr. Nebensächlich, dass die Beziehung zu ihrem Tanzpartner Evan (Matthew Morrison) bisher jeder Basis entbehrt und vor allem eine der Streitkultur ist.

Während auch die Schwangerschaft der jungen Köchin Rosie (Anna Kendrick) nicht geplant war, fiebert die etwas spießige Autorin Wendy (Elizabeth Banks) dem Moment der Befruchtung regelrecht entgegen. Zum Erfolg führt letztlich zeitgemäß die Eisprung-App – dem Fortschritt sei Dank. Unerwartet erhält sie Konkurrenz in den eigenen Reihen: Auch ihr Schwiegervater (Dennis Quaid, brillant wie immer) wird noch einmal Vater! Seine attraktive Gespielin Skyler (Brooklyn Decker), ungleich jünger als er, absolviert die Schwangerschaft strahlend schön und routiniert wie ein Kinderspiel – ohne Dehnungsstreifen und geschwollene Füße. Und das, obwohl sie Zwillinge erwartet.

Jennifer Lopez, im wahren Leben Zwillingsmutter, gibt indes die Fotografin Holly, die einfach nicht schwanger werden kann: Alles haben sie und ihr Partner Alex (Rodrigo Santoro) versucht, nun bleibt nur noch die Adoption eines Kindes aus Afrika. Und so geht die Reise auf den nach bester Hollywood-Manier aufgepeppten Kontinent, wo das Adoptionsritual selbstverständlich ethisch korrekt und wie im Bilderbuch abläuft.

Oh, wie ist das schön!
Evan (Matthew Morrison) schmust mit dem Baby im Bauch von Jules (Cameron Diaz).



„Was passiert, wenn’s passiert ist“ schildert Kindersegen à la Hollywood: immer etwas zu dick aufgetragen, ein bisschen kitschig, oft pathetisch und voller erwartbarer Klischees. Die Frauen, ansehnlich verkörpert durch hochkarätige Stars, mutieren hier zu hormongesteuerten Glucken, die Männer zu Witzfiguren, die Kirk Jones beim Spaziergang durch den Park durchaus gelungen als eine Armada der Superdaddys inszeniert. Allein die diffizile Beziehung von Wendys Mann Gary (Ben Falcone), der noch immer unter seinem dominanten und allzu perfekten Übervater leidet, bringt ernstere Momente in diese überdrehte Schwangerschaftskomödie.

Mit seiner brillanten, politisch herrlich unkorrekten Komödie „Lang Lebe Ned Divine!“ aus dem Jahr 1998 stellte Kirk Jones, damals noch Regie-Neuling, unter Beweis, welches Potenzial in ihm steckt. Mit „Was passiert, wenn’s passiert ist“ ist er nun endgültig im seichten Unterhaltungskino Hollywoods angekommen, das uns mit Plattitüden wie „Familie ist das einige, was zählt“ oder „Du weißt erst, was Liebe ist, wenn du ihm den Arsch abgewischt hast“ nun wirklich nicht mehr aus dem Kinosessel reißen kann. Es sei denn, die Fruchtblase platzt.

Text: Heidi Reutter / Fotos: Universal
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: What to Expect When You’re Expecting
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Universal
Laufzeit: 110 Min.