Ein Hoch auf die Gemeinschaft

Eines haben bretonische und schwäbische Wutbürger gemeinsam: Wenn ihnen etwas nicht passt, gehen sie auf die Straße und machen ihrem Unmut lautstark Luft – im bretonischen Fall zur Not mit Unterstützung von Dudelsäcken und einer Armada Hochschwangerer. Denn dass die Entbindungsstation des Krankenhauses von Carhaix geschlossen werden soll, ist nach Meinung der Bevölkerung eine himmelschreiende Unverschämtheit. Also mobilisiert das renitente Kaff in der locker-flockigen französischen Komödie „Willkommen in der Bretagne“ sämtliche Einwohner und legt sich, angefangen beim Krankenhausdirektor bis hin zum Präfekten der Region, mit der Obrigkeit an. Bei aller Liebenswürdigkeit und einer wahren Geschichte als Basis wirken die Résistanceler und ihre Story zuweilen jedoch ein wenig überstrapaziert.


Als Dany Boon seine Komödie „Willkommen bei Sch’tis“ (2008) aufs Publikum losließ, ahnte er sicherlich nicht, was er damit lostreten würde: In Frankreich wurde der Überraschungserfolg kontrovers diskutiert, die Italiener drehten mit „Willkommen im Süden“ (2010) direkt ihre eigene „Sch’tis“-Variante, und auch Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar bediente sich für „Willkommen in der Bretagne“ – im Original heißt der Streifen recht unspektakulär „Bowling“ – hier und da bei Boons Meisterwerk.


Wieder geht es um eine distinguierte Großstadtpflanze, die in eine entlegene Region versetzt wird, um neuen Schwung in eingeschlafene Institutionen zu bringen. Die Pflanze heißt Catherine (Catherine Frot), verdient ihre Croissants als Personalmanagerin und soll den Umsatz des Krankenhauses im provinziellen Carhaix optimieren. Natürlich eckt sie zunächst mit ihren Vorurteilen gegenüber den Bretonen an. Und natürlich gibt es unter den Hebammen, deren Arbeitsplatz sie bald wegrationalisieren wird, eine gute Seele, die sie herzlich in Empfang nimmt.



Beim Bowling nähern sich Catherine, Wortführerin Mathilde (Mathilde Seigner), die gutherzige Firmine (Firmine Richard) und die pfiffige Louise (Laurence Arné) zaghaft an – freilich nicht, ohne sich das eine oder andere bissige, herrlich amüsante Wortgefecht zu liefern. Doch für Catherine ist Schluss mit lustig, als die Pläne zur Schließung der Entbindungsstation auffliegen.


Ein wenig verbraucht ist das, was Mention-Schaar hier serviert: Hart erkämpfte Freundschaften werden schmerzlich auf die Probe gestellt, Zusammenhalt und Solidarität hochgehalten und die Schrullen von Bewohnern einer idyllischen, aber etwas in Vergessenheit geratenen Region augenzwinkernd inszeniert. Begleitet von einem angenehmen Soundtrack aus modernen Popsongs und bretonisch angehauchter Musik schlagen die Protagonisten des Wohlfühlfilmchens ihre Schlacht. Dabei sorgen sie zwar nicht für große Überraschungen, punkten aber mit Charme und Witz – trotz ihrer gelegentlichen Überdrehtheit.


Text: Christina Freko / Fotos: Alamode
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Bowling
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Alamode
Laufzeit: 90 Min.