Ab heute läuft: Kafkas Der Bau

 

Da steht er, der Bau: ein klotziges, rotes, modernistisches Halbhochhaus, in dem zu wohnen man sich nicht so recht vorstellen kann. Franz schon: Für den Endvierziger ist das Bauwerk – und noch viel mehr die soeben darin bezogene, durch und durch gestylte Eigentumswohnung – der Inbegriff des geglückten Lebens, des erfüllten Traums. Der Beweis dafür, dass er es zu etwas gebracht hat: Zu einem einträglichen Job, einer freundlichen Frau, zwei netten Kindern. Und jetzt eben noch zu dieser Designer-Wohnung in der besten Gegend der Stadt.

 

Franz ist stolz. Auf sich, seine Unabhängigkeit, seine Familie. Die will er beschützen, gegen alle Unwägbarkeiten, alle Gefahren, alle Bedrohungen, die draußen lauern. Die von draußen in seine heile Welt eindringen, ja, hereinbrechen können. In seinen Bau. Denn dazu ist die mit mehreren Sicherheitsschlössern vor der Außenwelt geschützte Wohnung inzwischen geworden.

 

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Er verschanzt sich darin, verlässt ihn aber hin und wieder. Geht in die Stadt. Zur Arbeit. Doch er hält es dort nicht lange aus. Die Angst um seinen Bau treibt ihn zurück. Und hinein. Obwohl er sich draußen beinah befreiter fühlt als drinnen. Und irgendwann betritt er das Haus nicht mehr. Er beobachtet den Eingang von außen. Von gegenüber. Will sehen, wer dort ein- und ausgeht, wer es auf ihn und seine Familie abgesehen hat. Nur aus dieser Perspektive kann er potenzielle Gefahrenquellen erkennen und unschädlich machen …

 

Ein beklemmendes Drama über den inneren Horrorfilm eines Menschen im Verfolgungswahn. Axel Prahl in einer Glanzrolle.

 

Regie: Jochen Alexander Freydank

Mit: Axel Prahl, Kristina Klebe, Josef Hader u. a.

Verleih: Neue Visionen

Laufzeit: 110 min

Start: 9. Juli 2015

Text: ewei / Foto: © Neue Visionen