Die Hip-Hop-Szene kommt ja nicht immer minderheitenfreundlich daher. Ein Rapper, der schwarz, schwul, mit jüdischen Wurzeln und HIV-positiv ist, fällt allein deshalb auf. Und Mykki Blanco ist jemand, der gerne auffällt, ob mit raspelkurzen Haaren und Baggyjeans oder als Transgender-Frau mit Perücke.

 

Mykki von Mykki Blanco

 

Auf seinem Mitte September erscheinenden Debütalbum nimmt er kein Blatt vor den Mund: Die Isolierung durch soziale Medien, der heuchlerische Umgang mit homosexueller Pornografie in Russland, die Reaktionen auf HIV-positive Menschen, Sex, Hass oder der Tod – der New Yorker kennt keine Tabuthemen.

 

Verpackt sind die klaren und oft derben Worte („Yes I’m agressive, fuck doin’ Yoga“) in einen Mix aus Hip Hop und Elektro – mal synth-lastig wie „I’m In A Mood“, mal melodisch wie „Highschool Never Ends“ mit Kindergesang und Geigenspiel. Mitreißende Melodien, die sich mit tiefgründigen Texten verbinden – hörenswert!

 

Für einen Vorgeschmack kann man sich das Video zu „Highschool Never Ends“ anschauen, eines der Album-Highlights: In einem berührenden Kurzfilm wird hier ein brutales Romeo und Julia gezeigt mit einem Skinhead und einem schwarzen Transsexuellen, die sich als Jugendliche ineinander verliebt haben.

 

Text: Tanja Bruckert