llustration – gibt‘s das nicht vor allem im Kinderbuch? Von wegen! Ob in Werbung, Produktentwicklung, Printmedien, Computerspielen, Trickfilmen oder Comics – ohne Illustratoren geht in unserer Bilderwelt gar nichts mehr. Trotzdem wird ihre Arbeit in der Öffentlichkeit kaum bewusst wahrgenommen. Das soll sich ändern. „ILLUeins“ heißt das neue Freiburger Forum für Illus-tration, das seit gestern bis zum 19. Oktober zu Ausstellungen, Vorträgen, Workshops und Filmen einlädt. cultur.zeit-Autorin Marion Klötzer sprach mit Designer und Illustrator Andreas Mack sowie den Veranstaltern Rolf Störtzer und Jens Galler von der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik (hKDM).

Das Illu-Team Jens Galler, Andreas Mack, Rolf Störtzer und Celina Bay.

 

cultur.zeit: Freiburg ist im Vergleich zu Berlin oder Hamburg nicht gerade das Illustratoren- Eldorado. Wie kam es zu der Idee von „ILLUeins“?
Galler: Das war ein ausgesprochen spannender Prozess, dessen Dynamik uns selbst überraschte. Ursprünglich planten Dirk Görtler, Rolf Störtzer, Steffen Rümpler und ich für die hKDM lediglich eine große Illustrationsausstellung, um der Öffentlichkeit ein möglichst breites Schaffensspektrum zu präsentieren. Schnell aber wurde klar, dass in Freiburg nicht nur eine Reihe interessanter Illustratorinnen und Illustratoren tätig sind, sondern auch ein großer Bedarf an Vernetzung der Szene herrscht.
Störtzer: Das Grunddilemma zeigte sich für mich schon bei meiner Kulturamts-Arbeit für das Lirum Larum Lesefest: Den Autor kennt jeder, der Illustrator führt ein Schattendasein. Werkpräsentationen gibt es hier selten, das Berufsfeld des Illustrators ist für viele nebulös. Dabei ist Illustration extrem facettenreich …
Galler: … und die älteste Form des Informationstransfers. Von den ersten Höhlenmalereien bis zur Streetart – erst die Bildsprache schafft Imagination. Noch nie gab es so viele Genres wie heute …
Störtzer: Umgehauen hat uns auch das gewaltige Feedback: Schnell war die Idee geboren, der regionalen Szene Forum und Plattform zu bieten. So eröffnen wir am Freitag nicht nur mit der Ausstellung „The New Yorker, Kontinuität durch Illustration“, sondern präsentieren auch unter dem Titel „regioillustriert“ eine große Portfolio-Schau regionaler Illustratorinnen und Illustratoren.
Galler: Dafür haben wir in der hKDM natürlich die perfekte räumliche und inhaltliche Infrastruktur – und unsere Studierenden erleben die ganze Bandbreite ihres zukünftigen Berufs hautnah: von praktizierenden Profis bis zu potentiellen Auftraggebern.

Tom-Brane

 

cultur.zeit: Stichwort Vernetzung – was wünschen sich Freiburger Illustratoren?
Mack: In Zeiten des Internets geht es nicht mehr nur um Auftragsakquise. Als ich vor sechs Jahren von Hamburg nach Freiburg zurück gezogen bin, habe ich meine Kunden einfach mitgenommen. Aber Zeichnen kann immer noch ein einsames Geschäft sein. Austausch und Vernetzung sind deswegen sehr wichtig. Die Möglichkeit, sich untereinander, mit Hochschulen und Stadtkultur zu organisieren und mit gemeinsamen Projekten in die Öffentlichkeit zu gehen, ist für Freiburg einmalig. Offene Illustratoren-Ortsverbände gibt’s in fast jeder größeren Stadt – auch in Freiburg.

 

cultur.zeit: Wie wurde das Konzept für die erste Veranstaltungsreihe erarbeitet?
Galler: Wir haben erst mal wild gebrainstormt, dann mit viel Idealismus alle Ideen gesammelt. Durch unsere Kooperationen mit dem Carl-Schurz-Haus, dem Kommunalen Kino und dem Centre Culturel Français konnten wir ein tolles Programm aufstellen: Neben Trickfilmen und Ausstellungen gibt es Werkstattgespräche mit den Illustratoren Ulf K. und Susanne Janssen, Workshops zu Kurzgeschichten-Illustration und Graffiti-Stencil-Technik, es geht um japanisches Papiertheater und Spiele-Entwicklung …

Tipex_by_Ulrich-Birtel-fischwerk

 

cultur.zeit: Ist das Ganze ein einmaliger Versuchsballon?
Galler: Gute Kultur braucht verlässliche Unterstützer und Nachhaltigkeit! Mit der nötigen Resonanz und Finanzierung möchten wir am liebsten gleich im nächsten Jahr ILLUzwei machen. Themenschwerpunkte gibt’s noch genug: Nach der inhaltlich breiten Grätsche von ILLUeins wollen wir dann in Punkto Geografie und Technik spezifischer werden.

 

ILLUeins
Forum Illustration Freiburg vom 11. – 19. Oktober
Vernissage am 11. um 19 Uhr in der Hochschule für Kunst, Design und populäre Musik, Haslacherstr. 15, Freiburg
Finissage am 19.10 mit Illu-Fini-Party ab 21 Uhr mit den „Bouncing Bactun Boys“ im Slow Club
Programm und Infos unter www.illueins.hkdm.de

 

Stammtisch für Illustratoren
Kontakt: Heike Treiber, E-Mail: heike@illustration-treiber.de Tel. 0 76 61/91 23 63