Beeindruckt von der aufrüttelnden Wirkung der schockierenden Bilder aus dem Vietnam-Krieg Anfang der 70er-Jahre, beschloss der 1948 geborene Amerikaner James Nachtwey, Kriegsfotograf zu werden. Seit Anfang der 80er-Jahre porträtiert er die Krisen und Kriege dieser Welt.

Nachtwey hat in Nordirland fotografiert, im Sudan, in Ruanda, Somalia, Tschetschenien, Bosnien, Afghanistan, Südafrika, Nicaragua und vielen anderen Ländern. Nachtwey ergreift Partei für die machtlosen Opfer und gibt ihnen mit seinen Bildern Waffen in die Hände, mit denen sie sich endlich wehren können. Seine Fotos lassen sich von den Machthabern nicht für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Sein Werk ist vielfach ausgestellt und ausgezeichnet worden. So erhielt Nachtwey bisher zweimal den World Press Award, er war sechsmal Magazin-Fotograf des Jahres in den USA. Der Dokumentarfilm »war photographer« über James Nachtwey war im Jahr 2002 für den Oscar nominiert.

James Nachtwey: „Ich bin ein Zeuge, und diese Bilder sind mein Zeugnis. Die Ereignisse, die ich festgehalten habe, dürfen nicht vergessen und nicht wiederholt werden.“

 

 

Kriege werden vor allem über einprägsame Bilder erinnert. Fehlen diese, werden Kriege jenseits der Kampfzone nicht wahrgenommen. Deshalb erfüllen Kriegsfotografen, wenn sie sich einer Zensur oder politischen Vereinnahmung entziehen, eine überlebenswichtige Aufgabe für die Selbstwahrnehmung von Gesellschaften. Die weltberühmten Fotografien von Nachtwey sind Teil des neuzeitlichen Bildgedächtnisses. Sie sind Zeugnisse äußerster Gewalt, die sich einer Beschreibung mit Worten meist versagt.

Der Fotograf wurde am 11. Februar 2012 in der Semperoper Dresden mit dem 3. Internationalen Friedenspreis »Dresden-Preis« geehrt. Der New Yorker gilt als der bedeutendste Kriegsfotograf unserer Zeit. Eine Auswahl der bedeutendsten Arbeiten von Nachtwey wird im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden ausgestellt, darunter – erstmals in Deutschland – der elf Meter lange Wandfries „The Sacrifice“. Die Ausstellung „Krieg – Fotografien von James Nachtwey“ ist die erste Sonderausstellung im neu eröffneten Militärhistorischen Museum und noch bis zum 31. Mai 2012 zu sehen.

 

Text: mos / Foto: Koolfilm