Peter Gaymann hat ein neues Buch veröffentlicht. „Typisch Badisch von Titisee bis Tuniberg“ heißt es, und er hat es sich selbst zum Geburtstag geschenkt: Im Juni wird er 65 Jahre jung. Und schon auf der ersten Seite des schmalen quadratischen Bändchens schmettert ein verrücktes Hühner- orchester ein Geburtstagsständchen: das Badnerlied.

 

Das Lied passt – der spitzfindige Zeichner, der die deutsche Cartoon-Landschaft seit Jahren mit eben diesen schrägen Vögeln bevölkert, ist schließlich richtiger Südbadener: Freiburger. Und die Hühner, die längst zu seinem Markenzeichen geworden sind, haben ihn bereits bei seinen ersten Geh- und Skizzierversuchen im heutigen Stadtteil Mooswald begleitet: Als Kind wohnte er in einem Häuschen in der damaligen West-Siedlung am Waldrand. Mit einem Gemüsegarten vor dem Haus, einem Schweinestall dahinter und einem Hühnerhof daneben.

Peter Gaymann: Das Federvieh hat ihn schon in seiner Kindheit begleitet.

 

Heute gibt es dort kaum mehr Spuren von dieser ländlichen Idylle mit Hühnern. In Gaymanns Cartoons existieren sie weiter. Auch in „Typisch Badisch“ taucht zwischen schön gemalten Landschaftsaquarellen immer wieder ein solches Federvieh auf, etwa als Yoga-Lehrer für Schwarzwälder, als Wasserspeier oder als Demonstrant.
Er kennt sich nicht nur mit badischen Hühnern aus. Er weiß auch sehr genau Bescheid über die Eigentümlichkeiten der badischen Menschen, über das, was sie unter Todsünde verstehen, oder das, was sie nie sagen würden. Obwohl er seit 30 Jahren nicht mehr hier lebt, kann er immer noch treffsicher bezeichnen, was typisch badisch ist.

Peter Gaymann: Das Federvieh hat ihn schon in seiner Kindheit begleitet.

 

Er ist tief vertraut mit dieser besonderen Spezies, die die Welt augenzwinkernd in Badische, Unsymbadische und Homöobadische einteilt. Die gern gut isst, noch lieber Wein trinkt und am liebsten den eigenen. Die wortreich ausufernden Selbstdarstellungen mit knappen Kommentaren begegnet, im Ernstfall gar mit wortkarger Endgültigkeit: „Nai hämmer gsait.“

 

In diesem Satz liegt die ganze Widerborstigkeit, zu der diese beschauliche Sorte Mensch fähig ist. Der Protestkultur, die vor 40 Jahren im Wyhler Wald mit diesen drei Worten ihren Anfang nahm, ist denn auch ein eigenes Kapitel eingeräumt. Ebenso der speziellen Sprache und dem angeblich immer guten Wetter. Und selbstverständlich den Hühnern.

Peter Gaymann: Das Federvieh hat ihn schon in seiner Kindheit begleitet.

 

Peter Gaymann widmet dieses vergnügte, charmant-ironische und ausgesprochen „symbadische“ Kaleidoskop hiesiger Befindlichkeiten „seinen“ Badenern. Und das Museum für Neue Kunst widmet ihm und seinem Schaffen vom 26. Juni bis 25. Oktober eine große Einzelausstellung – ein besonderes Präsent zum Geburtstag. „Kunst kommt von kaufen“ heißt sie, und das Begleitbuch hat Gaymann gerade in Arbeit. Er hat also noch nicht vor, Rentner zu werden.

 

Text: Erika Weisser Fotos & Illustrationen: © Belser Verlag/Peter Gaymann

 

Typisch Badisch von Titisee bis Tuniberg

 

 

 

 

 

Peter Gaymann
Typisch Badisch von Titisee bis Tuniberg
64 Seiten, gebunden
Belser Verlag 2015,
16,95 Euro