Ein Mann über 40 schreibt ein Buch über einen Mann über 40 für Männer über 40. Das geht dann so: „Ich wachte gegen 11 Uhr völlig zerprügelt auf, als hätte ich am Vortag stundenlang Sport getrieben. Ich spielte ein wenig an meinem Geschlecht, aber mir war zu übel, um mich länger zu verausgaben.“ Doch keine Spur von Weinerlichkeit inmitten der Midlife-Crisis, dafür ganz viel Sarkasmus und Wiener Schmäh.

 

Nepomuk Lakoter ist stinkefaul, liegt nach einem Beinbruch auf seinem Kanapee angenehm antriebslos im Haschischnebel herum, lebt vom Erbe und möchte dem lieben Gott eigentlich nur einen „Guten Tag“ wünschen. Doch er hat die Rechnung ohne seine nervige Schwester, seine rumänische Putzhilfe Amalia, und erst Recht ohne deren schöne Nichte gemacht. Dabei geht draußen nach der Atomkatastrophe von Fukushima zeitgleich die Welt unter – ein Grund mehr für den Neurotiker, den sie alle Mucki nennen, sich daheim zu verschanzen.

 

Doch da sind noch die Kumpels von früher: sexsüchtige Chaoten, Schnorrer, Träumer. Mit ihnen muss Mucki die alte Band Iron Frogs wieder beleben und gegen die Atomkraft ansingen. Dass das nur in einem Meer aus Bier enden kann, liegt auf der Hand. Gelich, der als einer der interessantesten Gegenwartsautoren Österreichs gilt, hat eine vergnügliche Hommage an die Generation der 40-somethings geschrieben, die nicht wirklich erwachsen werden will – die sich aber langsam fragt, ob das ewig so weitergehen kann. Und ob das gut ist.

 

Text: Dominik Bloedner

 

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Johannes Gelich

Wir sind die Lebenden

240 Seiten, gebunden

Haymon Verlag, 2013

19,90 Euro