Blasse Charaktere

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Buch „Fünf Löcher im Himmel“ ist nicht lustig, nicht einmal tragikomisch. Keine Pointe, kein Brüller, kein noch so zaghafter Schenkelklopfer. Von Rocko Schamoni, dem „Säulenheiligen des Hamburger Undergrounds“ (Die Zeit), hätten viele wohl etwas anderes, etwas Erwartbareres erwartet.

 

Als Mitbegründer des legendären Pudel Clubs und des Trios Studio Braun, als Verfasser der „Dorfpunks“ oder der „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ punktete er stets mit subversivem Witz. Nun kommt er mit Traurigkeit, mit einer fein komponierten, aber leider etwas zu wenig ausgearbeiteten Story – da vor allem die Nebencharaktere etwas blass bleiben.

 

Paul, der Protagonist, ist alt und ziemlich durch. Ihm bleiben nach dem Verlust der Wohnung nur noch eine Knarre und sein Tagebuch. Darin schreibt ein aufgekratzter Teenager über seine ersten Lieben, seinen alkoholkranken Vater und über den Schicksalsschlag, der ihn unschuldig ins Gefängnis bringt und aus dem normalen Leben katapultiert. Nun macht sich der alte Paul auf die Suche nach seiner Katharina von damals, die beiden Erzählstränge kommen zusammen. Am Ende eine etwas erwartbare Überraschung und die von Schamoni in den Raum gestellte existentielle Frage: Hätte des Leben doch nicht schöner sein können?

 

Text: Dominik Bloedner

 

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Rocko Schamoni
Fünf Löcher im Himmel
192 Seiten, gebunden
Piper, 2014
16,99 Euro