Der Lufthansa-Flug LH 618 landet um 21.38 Uhr in Abu Dhabi, was übersetzt „Vater der Gazelle“ heißt. Schon aus der Luft war eine Glitzerwelt zu sehen. Im Airport geht es eher nüchtern zu. Für 100 Einreisende brauchen vier Passkontrolleure lässig eine Stunde. Wir fahren mit dem Taxi ins Hotel, vorbei an abenteuerlichen Wolkenkratzern, an der Scheich-Zayid-Moschee, die als größte Moschee der Welt geplant war, bevor die Saudis eingriffen und der Zayid-Familie klarmachten, dass die nur in Mekka stehen kann. Sie neigen zum ungehemmten Gigantismus, die reichen Öl-Scheichs von Arabien. Ihr schillerndstes Mitglied ist Dubai – bezahlt aber wird aber nach dessen Beinahepleite fast alles von Abu Dhabi – oder von millionenschweren Indern, Chinesen und Pakistanis, die sich die Glasburgen als Renditebringer hinstellen. Eine seltsame, surreale, megamoderne Welt in einer ansonsten unwirtlichen Gegend.

Abu Dhabi Skyline

 

Lustwandeln lässt sich in Abu Dhabi am besten an der Corniche, die sich vom Hafen sieben Kilometer lang bis zum Theater unweit der Marina Mall zieht. Ein paar Leckereien im Marina-Café seien en passant empfohlen. An der Promenade hängen Schilder, auf denen die Piktogramme von Männlein und Weiblein Händchen halten: „Unruly Behaviour will not be allowed“, so steht es geschrieben. Not allowed ist auch der Alkohol, die Stehplätze im Bus sind geschlechtergetrennt, im größten der sieben Emirate geht es sehr konservativ zu. Auf den ersten Blick.

 

„Name it and you got it“, weiß hingegen Alexander Juhasz, der für den Siemens-Konzern in Abu Dhabi City arbeitet. Es steht in keinem Reiseführer, aber in Abu Dhabi gibt es drei Straßenstriche, Alkohol-Pubs auch außerhalb der Hotels, einen Schwarzmarkt, erotische Darbietungen und käufliche Liebe in Nachtbars. Es ist eine skurrile Szenerie, wenn man nachts um 2 Uhr neben dem örtlichen Polizeichef sitzend bei Whiskey sour den Moslems dabei zusieht, wie sie die Puppen tanzen lassen und tags zuvor gelesen hatte, dass ein Gericht einen 29 Jahre jungen Amerikaner aus Dubai gerade zu einem Jahr Gefängnis und 2000 Euro verurteilt hat, weil der ein Witz-Video gepostet hatte, in dem sich junge Männer im Sandalen-Weitwurf üben – als vermeintlich probates Mittel zur Selbstverteidigung.

545 Millionen US-Dollar: In der Scheich-Zayed-Moschee hängen auch deutsche Swarowski-Kristalle. Natur pur mit Delfinen hingegen auf dem Dhau in Musandam.

 

Das krasse Auseinanderklaffen von Schein und Sein gehört in den Emiraten zur Grundausstattung. So werden täglich mehr als eine 750.000 Kubikmeter Wasser produziert, damit in der aufstrebenden Metropole weiter alles flüssig läuft. Wo früher nur Sand und eine kleine Wasserstelle war, an der die Stadtgründer dann mal eine Gazelle gesehen hatten, leben heute offiziell 1,3 Millionen Menschen, achtspurige Straßen ziehen sich wie dicke Adern durch die Alleen der Glitzerpaläste. Wer verrückte Architektur mag, dem seien etwa die Etihad Towers angeraten, die in diesen Tagen noch einen Nachzügler bekommen, der aus purem Kupfer gebaut scheint.

 

Direkt gegenüber steht an markanter Stelle der Emirates Palace, den Scheich Said bin Sultan Al Nahyan eigentlich für das Gipfeltreffen des Golf-Kooperationsrates 2004 bauen ließ. Das Treffen fiel aber wegen seines Todes aus – und so wurde der Palast ein Hotel. Superlative gehören hier zum Standard. Die teuerste Suite kostet knapp 8000 Euro pro Nacht. Die Gäste wandeln auf Marmor und bekommen Blattgold zu essen – hier ist definitiv alles Gold, was glänzt.

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Dem Vernehmen nach soll aber schon neun Jahre nach der Eröffnung ein noch viel prunkvollerer (wenn das geht) Palast auf dem Riesenareal gebaut werden. Klar, der alte ist ja jetzt schon benutzt.

 

Zu dem ganzen Prunk passt irgendwie so gar nicht (oder gerade eben?), dass der Kellner im Hotel dürftige 250 Euro im Monat verdient. Für eine 72-Stunden-Woche. Als der 23-Jährige den Arbeitsvertrag unterzeichnete, standen da noch 40 Stunden. Vom nächsten Tag an waren es 72. Es sei trotzdem besser als in Bangladesch. Außerdem ist er in eine Kollegin von den Philippinen verliebt. Nachts schleichen er oder sie im hoteleigenen Hochhaus, das die Kette nur für die Angestellten gebaut hat, auf die natürlich nach Geschlechtern strikt getrennten Etagen. Name it and you got it.

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Eine ganz andere Welt erwartet die Gäste in Ras Al Khaimah, was so viel wie „die Spitze des Zeltes“ heißt, eine knappe Autostunde von Dubai entfernt. Wer hier abends durch die Altstadt geht, der fühlt sich endlich wie in Arabien. Vorwiegend eingeschossige Bebauung, Laden an Laden, rauchende Händler, Sandpisten, ein im Vergleich zu anderen Emiraten fruchtbares Hinterland, die Ausläufer des Hadschah-Gebirges – ein Ort zum Entschleunigen. Sicher, auch hier ist es wie in Dubai oder Abu Dhabi offenbar Gesetz, bloß keinen Mercedes ohne die 6,3-Liter-Maschine vom AMG über die Straßen zu bugsieren, aber an den fast weißen Stränden sagt sich die Seele schnell, ich baumel mal ein bisschen. Wer auch hier ausflügeln will, kann eine Tour nach Khasab buchen. Am Nordzipfel der Halbinsel gibt es an der Straße von Hormus die omanische Enklave Musandam mit ihren herrlichen Fjorden – das Norwegen Arabiens. „You will definately see Dolphins“, sagt der Captain des Dhaus – aus Stahl nachgebaute Traditionsboote. Er sollte Recht behalten. Inmitten von bis zu 200 Meter hohen Bergen schippern wir in den Fjorden herum, schnorcheln inmitten von bunten Fischschwärmen, werden leckerst verköstigt. Weit weg ist die Glitzerwelt von Abu Dhabi oder Dubai. Der Guide der Buchungsagentur ist Syrer. Über die poltischen Verhältnisse in seinem Land reden will er nicht. Nicht so schlimm, die Delfine sind wieder da.

 

Text & Fotos: Lars Bargmann

 

Info
Abu Dhabi / Ras Al Khaimah
Anreise: Man kann vom EuroAirport Basel aus über London (british airways) oder Frankfurt (Lufthansa) fliegen. Das L’tur-Callcenter Freiburg kann auch kombinierte Aufenthalte in den Emiraten zusammenstellen.
Unterkunft: Abu Dhabi: Grand Millenium, Al Whada, 5 Sterne, Pool auf der
Dachterrasse, inmitten der Stadt, DZ ab 220 Euro
Ras Al Khaimah: Hilton Resort & Spa, DZ ab 190 Euro.
Infos: www.visitabudhabi.ae/de, www.ras-al-khaimah.eu

 

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