Flirrender Horror

Auf den ersten Seiten hat man den Eindruck, dass es sich bei Karin und Lisa nicht um zwei Personen handelt. Eher um eine in ihrer Persönlichkeit gespaltene Frau, deren Alter Egos sich gegenseitig beobachten. Doch dann wird klar, dass da wirklich zwei Frauen im Auto unterwegs sind. Die sind durch ihre Vergangenheit jedoch derart verwoben, dass sie sich und ihre Gefühlswelten nur schwer gegeneinander abgrenzen können. So sehr, dass sie in der Lage sind, Antworten auf die Gedanken der jeweils anderen zu denken.

 

Dabei haben die beiden Frauen sich seit Jahren nicht gesehen. Seit dem Tag nämlich, an dem Lisa, die bis dahin als Pflegekind in Karins Familie lebte, in ein Betreuungsheim kam. Als völlig verstörtes Kind, wie von Sinnen und traumatisiert durch ein Ereignis – und den Geschehnissen, die dazu geführt hatten: Man hatte Karins Vater tot im Wald gefunden. Genau dort, wo die beiden unzertrennlichen Mädchen immer gespielt und sich in engen Wurzelhöhlen versteckt hatten. Vor eben diesem Vater. Denn der war ihnen zu oft zu nahe gekommen.

 

Karin holt Lisa nun zurück in das Haus am Waldrand; sie will eine Schuld gutmachen. Doch sie geraten erneut in einen Sog von Abhängigkeit, Anziehung und Identitätsverlust, an dessen Ende damals eben diese Schuld stand. Blanker Horror. In ungewöhnlichen Wortgeflechten erzählt.

Buchcover: Wie im Wald

 

Wie im Wald
von Elisabeth Klar
Verlag: Residenz, 2014
Seitenzahl: 272, Hardcover
Preis: 22,90 Euro