Ein extremer Titel ist ein zugkräftiger Titel, und eine Wortwahl wie „vegetarischer Wahn“ kurbelt sicherlich die Verkäufe an. Schade nur, wenn es zwischen den Buchdeckeln ebenso reißerisch und einseitig weitergeht: In der „gepfefferten Kampfschrift“ der drei Autoren ist von einem Pro und Kontra leider nichts zu finden – Argumente, die für eine Veggie-Lebensweise sprechen, werden komplett ausgeblendet. Manches, wie der Sinn des Tiermehlverbots, die Bio- Richtlinien zur Behandlung kranker Tiere oder der Einfluss des Veganismus auf den Flächenverbrauch, ist sicherlich eine Überlegung wert. Doch sich ohne weitere Quellen eine fundierte Meinung zu bilden, ist unmöglich.

 

Die Reihenfolge der 75 Fakten ist komplett willkürlich, eine Ordnung nach Relevanz oder nach ethischen, umweltschutztechnischen und gesundheitlichen Aspekten ist nicht zu erkennen, was die Lektüre verkompliziert.

 

Sprachlich werden die Autoren gerne polemisch: Um Argumente zu unterstreichen, werden Tierrechtler als Menschen bezeichnet, die therapeutische Hilfe brauchen, oder Veganismus wird als Gelegenheit beschrieben, „Persönlichkeits- und Essstörungen als ethische Hochbegabung auszugeben“. Schwer nachzuvollziehen, was das mit einem Kampf für Toleranz zu tun haben soll, den die Autoren angeblich führen.

 

Text: Tanja Bruckert

 

Don`t go Veggie

 

 

 

 

 

Udo Pollmer, Georg Keckl, Klaus Alfs
Don’t Go Veggie!
222 Seiten, Taschenbuch
S. Hirzel Verlag, 2015
19,80 Euro