Angefangen hat alles in der Heidelberger Innenstadt. Stefan Sirtl besucht seine Bekannte Julia Müller, die er auf einer Reise in Ecuador kennengelernt hat. Für einige Erinnerungsfotos lässt der Freiburger sie in einem kaputten roten Sessel vom Sperrmüll auf der Alten Brücke posieren und ist erstaunt, wie viel Aufmerksamkeit er damit auf sich zieht: Zahlreiche Passanten möchten sich ebenfalls fotografieren lassen, bis zum Abend hat er 200 Portraits geschossen. Am Abend beschließen die beiden, noch einmal durch Südamerika zu reisen – diesmal allerdings mit dem Sessel. Und im September geht es für den möbel-mobilen Freiburger erneut los, wieder mit „La Silla“, und dieses Mal mit eigener Freundin, nach Asien. Für zwei Monate wird der am Cern arbeitende Physiker dann statt mikroskopisch kleiner Teilchen einen roten Polstersessel beschleunigen.

Reise_1
Zwei Monate sind Stefan Sirtl und Julia Müller samt Sessel „La Silla“ durch Südamerika gereist und haben die verschiedensten Menschen gebeten, Platz zu nehmen. Das Ergebnis sind eindrucksvolle Fotoportraits, die die Personen in ihrem persönlichen Umfeld bei der Arbeit oder zu Hause zeigen.

Reise_2
Mit der aufgehenden Sonne fahren Jorge und seine Brüder täglich hinauf aufs offene Meer. Gefischt wird auf herkömmliche Art und Weise mit Schnur und Angelhaken. Nach zwei Stunden kehren die Fischer in die Bucht von Puerto Angel (Mexico) zurück, um ihren Fang am Strand zu verkaufen – jedoch nicht, ohne sich ein paar Doraden für ihr eigenes Mittagessen aufzusparen.

Reise_3
Die Kolonialstadt Granada in Nicaragua hat zwei Gesichter. Massen von Touristen schieben sich durch das Zentrum, das mit Bars, Boutiquen und Bier lockt. Einige der ärmeren Einwohner bringen täglich ihre gesammelten Plastikflaschen zu „El Chino“. Der zahlt pro Kilo. Doch Plastik ist leicht, und so bekam diese Frau für ihre Beute von zwei Tagen gerade einmal 20 Córdobas – knapp einen Dollar.

Reise_4
Guatemala City steht mit den Drogenkartellen und Jugendbanden in dem Ruf, eine der gefährlichsten Städte Lateinamerikas zu sein. Die Stadt hat jedoch auch ihre schönen Seiten: Auf den Straßen herrscht buntes Treiben, es wimmelt von Künstlern und Studenten. Viele sind aus Honduras und El Salvador hierher gekommen, um sich mit Musik, Jonglierkunst oder Malerei etwas Geld zu verdienen.

Reise_5
Der 82-jährige ehemalige Boxer baut jeden Morgen um fünf Uhr in Guatemala City seinen Stand auf, an dem er Taubenfutter verkauft. Die teils mitleidigen Blicke der Touristen aus ihren gesicherten Busse stören ihn nicht. Wenn er sie dort so eingesperrt an sich vorüber fahren sieht, tun sie ihm leid.

Text: Tanja Bruckert / Fotos: Stefan Sirtl