Totenköpfe, Maismehl und Ziegenknochen: Ein neues Museum in Straßburg entführt in die Mysterien des afrikanischen Voodoo-Kultes.

 

Es riecht noch nach Farbe im Treppenhaus – alles ist frisch renoviert. Die Wände sind rot gestrichen. Rot wie die untergehende Sonne. Rot wie Gefahr. Rot wie Blut. Das passt ziemlich gut zum Inhalt der Ausstellung, die seit Mitte Januar im ehemaligen Wasserturm in Straßburg gezeigt wird. „Voodoo“ heißt das Thema – ein Museum rund um Legenden, Riten – und vor allem Missverständnisse.

 

Fetische-(Foto---Steve-Przybilla)-(1)

 

Voodoo – das Wort löst wohl bei den meisten Europäern einen reflexartigen Schauer aus. Man hat Menschenopfer vor Augen, schwarze Magie, Opferpuppen und Schlangenkämpfe bei James Bond. „Die meisten denken sofort an Hexerei“, weiß Bernard Müller. Der 48-Jährige arbeitet unter der Woche als Ethnologieprofessor in Paris. Am Wochenende, wenn das Museum geöffnet hat, pendelt er nach Straßburg, um die Ausstellung als Kurator zu betreuen. Für ihn heißt Voodoo so viel wie „unsichtbare Welt“ – nicht mehr und nicht weniger.

 

Der Kurator beginnt seine Führung mit einem ungewöhnlichen Satz: „Schön ist in diesem Museum nichts.“ Was man sich darunter vorzustellen hat, zeigt ein seltsam aussehendes Gebilde direkt neben dem Eingang: ein Haufen, der aus mehreren Schichten Maismehl, Lumpen, Federn und Ziegenknochen besteht. „Das nennt man Fetisch“, erklärt Müller – ein religiöses Objekt, welches ein Voodoo-Priester bei Zeremonien verwendet.

 

Bernard Müller zwischen farbenfrohen Voodoo-Kostümen.

Bernard Müller zwischen farbenfrohen Voodoo-Kostümen.

 

Daneben steht eine Flasche Gin. „Damit löscht man den Fetisch nach dem Ritual ab“, so Müller. Alternativ könne man auch Blut verwenden, aber man wolle die Besucher schließlich nicht gleich am Eingang verschrecken.

 

Objekte wie der ominöse Lumpenhaufen werden in der westafrikanischen Voodoo-Religion produziert, um spirituelle Kräfte zu beeinflussen. Müller gibt ein Beispiel: „Es gibt Fetische, die gegen Krankheiten helfen sollen. Andere bringen Erfolg oder Glück.“ Mit schwarzer Magie habe das Ganze wenig zu tun. Die Sklaven etwa, die in die Karibik verschifft wurden, seien ihrer Wurzeln beraubt worden. Oft habe allein der Glaube an die „Kampfkraft“ der Religion ihnen Kraft gegeben. „Unsere Ausstellung hat sich aber auf den traditionellen, westafrikanischen Voodoo spezialisiert, es geht vor allem darum, mit den toten Ahnen in Kontakt zu treten.“

 

Je höher man in den Wasserturm hinaufsteigt, desto deutlich wird, wie falsch das westliche Voodoo-Verständnis in großen Teilen ist. Zu sehen sind farbenfrohe Kostüme, selbst gebaute Holzboote, aber auch Affen- und Ziegenschädel – klassische Opfergaben, um die Götter milde zu stimmen.

 

220 solcher Objekte kann man im Museum bewundern. Sie alle stammen aus der privaten Sammlung des Unternehmers Marc Abrogast. Rund zwei Millionen Euro seines Privatvermögens hat der ehemalige Besitzer der Brauerei Fischer-Adelshoffen ins Museum gesteckt. Der Kurator versichert, alle Objekte seien legal erworben und eingeführt worden. „Das habe ich selbst überprüft“, sagt Müller.

 

Fetische-(Foto---Steve-Przybilla)-(2)

 

Dass das neue Museum ausgerechnet in Straßburg steht, freut ihn besonders: „Wir werden schon bald Führungen auch auf Deutsch anbieten.“ Zwischen 350 und 400 Besucher kämen jedes Wochenende – zu Recht, wie er findet, denn schließlich sei eine solche Ausstellung in dieser Form einmalig. „Bisher gibt es höchstens ein paar Privatwohnungen, in denen einige Objekte zu sehen sind. Eine solche Kollektion ist etwas ganz Besonderes.“

 

Man nimmt Müller seinen Stolz ab – nicht nur, weil er Ethnologe ist oder Werbung für die neue Attraktion in der Straßburger Kulturlandschaft machen will. Er hat auch einen ganz persönlichen Bezug zum Voodoo-Kult. Als Sohn eine französischen Mutter und eines deutschen Vaters, der beim Deutschen Entwicklungsdienst arbeitete, wuchs er im Togo auf. „Eine ganz spannende Zeit.“ Umso mehr freut es Müller, dass nun auch Erwachsene den Voodoozauber erleben können, den er schon in der Kindheit kennen lernte.

 

Text und Bilder: Steve Przybilla

 

Infos und Termine:

Öffnungszeiten: Freitag und Samstag 10-22 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr

 

Adresse: Musée Vodou, 4 Rue de Koenigshoffen, 67000 Straßburg

Tel. ++33 (0)60122 1253

www.musee-vodou.com; E-Mail: contact@musee-vodou.com

 

Parken: Direkt vor dem Wasserturm gibt es keine Parkplätze; dafür befindet sich um die Ecke ein Park&Ride-Parkplatz.