Ist das warm und stickig in diesem Raum: Sie hätte nichts dagegen, wenn einer das Fenster einschlüge, scherzt Katherine Heigl im Gespräch mit Claudia Nitsche und meint es vermutlich ernst. Ihren neuen Film “Einmal ist keinmal” (Start: 19.04.) soll die 33-Jährige mit den deutschen Wurzeln in diesem unangenehmen Klima bewerben. Zur Ablenkung packt Heigl ihre elektronische Zigarette aus. Bis vor zwei Jahren war sie die vermutlich letzte verbliebene Hollywoodschauspielerin, die noch öffentlich rauchte. So ganz scheint sie darüber noch nicht hinweg zu sein: “Es ist lächerlich”, sagt sie mit Blick auf ihren rosa Stengel, “eigentlich ist das Teil nur ein modisches Accessoire”. Spricht sie und inhaliert das Wasserdampfgemisch.

chilli: Was veranlasste Sie, das Rauchen aufzugeben? Ihre Tochter, die Sie vor zwei Jahren adoptierten?
Katherine Heigl: Ja, in erster Linie tat ich es fürs Baby. Meine Mutter war bei meiner Entwöhnung eine treibende Kraft, und mein Mann mochte es auch nicht, wenn ich rauchte. Jetzt bin ich abhängig von den Dingern hier (schwenkt ihre rosa Elektrozigarette), was eigentlich nicht der Sinn der Übung war.


chilli: Rauchten Sie gern?
Heigl: Es war eher eine nervöse Angewohnheit – eine Sucht, die sich gut für die Arbeit am Filmset eignete. Man muss dort oft Zeit überbrücken. Um dabei wach zu bleiben und mein Energielevel zu halten, trank ich Kaffee und rauchte in den Pausen. Das machte es wirklich schwer für mich aufzuhören. Ich setzte mich übrigens auch schon dafür ein, dass mein Charakter in “Grey’s Anatomy” rauchen sollte – weil das real ist.

chilli: In amerikanischen Fernsehserien sieht man selten Raucher.
Heigl: Immer wenn ich einen Menschen im Film rauchen sehe, will ich mir auch eine anzünden. Das ist eine suboptimale Botschaft an Kinder, verstehe ich ja. Mein Vorschlag wurde damals auch wegen fehlender Vorbildwirkung abgelehnt.

chilli: Sehnen Sie sich trotzdem manchmal zurück zu “Grey’s Anatomy”?
Heigl: Wenn jemand fragen sollte, komme ich zurück. Wäre doch schön zu wissen, was in der Zwischenzeit so passiert ist, und ob Izzy und Alex doch zusammenkommen. Der hat mir zu viele Freundinnen, das geht mir gegen den Strich (schaut erzürnt).

chilli: Wie beschäftigt waren Sie im vergangenen Jahr?
Heigl: 2011, richtig? Nicht so sehr. Im Sommer ein paar Monate, das war’s. “Einmal ist keinmal” entstand schon 2010, was für mich gefühlt wahnsinnig weit zurückliegt. 2010 war stressig, im letzten Jahr hingegen hatte ich zum ersten Mal seit Langem viel Zeit, was ganz großartig war. Das Blöde ist nur …


chilli: Ja?
Heigl: Man gewöhnt sich daran. Ich stellte fest, dass es toll ist, erst um zehn Uhr aufzuwachen. Man wird faul. Es gefällt mir, nichts anderes tun zu müssen, als mit meiner Tochter zu spielen, mit Freundinnen einkaufen zu gehen und abends im Restaurant zu essen. Dagegen wirkt es sehr unattraktiv, um fünf Uhr morgens den Wecker klingeln zu lassen (lacht).

chilli: Sie stehen seit 24 Jahren vor der Kamera. Da haben Sie sich eine Pause verdient.
Heigl: Ich wurde aber nicht in eine Karriere getrietzt. Meine Freunde trieben Sport oder hatten andere Verpflichtungen, das Modeln und die Schauspielerei waren eben mein “Sport”.

chilli: Eigentlich stellen Sie in “Einmal ist keinmal” eine Art Serienheldin dar. Wie viele der 18 Stephanie-Plum-Bücher von Janet Evanovich haben Sie selbst gelesen?
Heigl: Fast alle. Ich mag ihren Charakter sehr, sie hat keine Neurosen, ist mutig und wartet nicht, bis das Leben ihr etwas anbietet. Wir hoffen natürlich, einen weiteren Film über Stephanie Plum drehen zu können. Wenn das passieren sollte, werden wir Bücher zusammenfassen müssen. Bei 18 Romanen wird es sonst eine zweite Bond-Serie. Und ich müsste ersetzt werden, weil ich zu schnell altere (lacht).

chilli: Stimmt es, dass Sie Ihre Filmcharaktere immer mögen müssen?
Heigl: Das ist richtig. Es gibt einen Teil in mir, der wohl etwas schwarz-weiß denkt. Ich kann nicht in Beziehung zu jemandem treten, vor dem ich keinen Respekt habe. Wenn es – um mal die Extreme zu nennen – um einen Serienkiller oder einen Kinderquäler geht, kann ich mich nicht in deren Denkweise hineinversetzen. Das muss ich aber, wenn ich die Rolle spielen soll. Also überlasse ich diese Rollen talentierteren Schauspielern. Vielleicht kommt das bei mir noch, wenn ich älter und weiser bin.


chilli: Ihre nächsten beiden Projekte sind ein Thriller und ein Drama: Genießen Sie es, dass die romantischen Komödien weniger werden?
Heigl: Oh Gott, das fragen mich alle. Ich muss Euch wirklich auf die Nerven gehen mit den romantischen Komödien. Ihr habt mich über, oder (lacht laut)? Es kommt tatsächlich Neues, aber es hat auch viel Spaß gemacht, diese neurotischen, lustigen und charmanten Frauen zu spielen. Und so viele Komödien habe ich gar nicht gedreht.

chilli: Für “Einmal ist keinmal” hatten Sie sogar Schießunterricht, nicht wahr?
Heigl: Hatte ich, wobei ich die Notwendigkeit nicht verstanden habe. Ich erschieße ja niemanden. Aber: Der Unterricht war sehr befriedigend, ein erhebendes Gefühl, muss ich sagen.

chilli: Weniger erhebend war vermutlich die Duschszene, in der Sie nur mit einem Handtuch bekleidet sind.
Heigl: Kein Problem (zwinkert), ich habe zuvor eine Million Sit-ups gemacht. Darauf schwören alle Kollegen. Mir erzählten so viele Männer, dass sie vor einer Oben-ohne-Szene Liegestützen machen, weil man dann definierter aussieht. Ich habe es probiert (verdreht die Augen) – es hat überhaupt nicht funktioniert.

Fotos: 2011 Concorde Filmverleih GmbH