Vier Millionen verkaufte Platten, ausverkaufte Hallen, unzählige Auszeichnungen: die schottische Sängerin und Songwriterin Amy Macdonald ist ein weltweit gefeierter Popstar. Mit melodiösem Folk-Rock hat es die 24-Jährige mehrfach an die Spitze internationaler Hitlisten geschafft. Nun erscheint ihr drittes Album „Life In A Beautiful Light“, und es wird sie erneut ins Rampenlicht bringen. Dabei mag es die Musikerin selbst eher ruhig und geht dem Rummel um die eigene Person am liebsten aus dem Weg. Mit Erik Brandt-Höge sprach Sie über eine rasante Karriere, kleine Zweifel und zwei große Hobbys: Fußball und Autos.

chilli: Wenn Künstler sich eine Auszeit nehmen, suchen sie oft das Abenteuer und gehen auf Reisen. Sie haben sich im vergangenen Jahr auch eine Pause gegönnt und sind einfach zu Hause geblieben …
Amy Macdonald: Ich bin ja sonst immer auf Reisen und lebe aus dem Koffer. Wenn ich auch noch in meinem freien Jahr ständig unterwegs gewesen wäre … Eine schreckliche Vorstellung (lacht). Ich wollte einfach mal eine Zeit lang bei meinen Freunden und meiner Familie sein und wieder so was wie ein normales Leben führen.


chilli: Wie muss man sich das vorstellen?
Macdonald: Sehr relaxt! Wenn ich zu Hause in Glasgow bin, gehen meine Freunde und ich oft ins Kino, wir kaufen uns Berge von Popcorn und genießen die Filme. In den letzten Monaten war ich bestimmt hundertmal im Kino.

chilli: Bei öffentlichen Veranstaltungen sieht man Sie hingegen selten. Sie können sich mit der Glitzerwelt der Stars nicht so recht anfreunden, oder?
Macdonald: Es ist gar nicht so, dass ich diese Veranstaltungen nicht mag. Sie passen nur nicht wirklich zu mir. Ich glaube, das werden sie nie. Ich gehe lieber mit meinen Freunden in den Pub.

chilli: Oder sehen sich ein Fußballspiel Ihrer Lieblingsmannschaft an.
Macdonald: Genau: die Rangers!

chilli: Auf Ihrem neuen Album gibt es einen Song über die Rivalität der beiden Fußballclubs in Ihrer Heimatstadt Glasgow, Rangers und Celtic: „The Green And The Blue“. Wie kommt es, dass Sie plötzlich über Fußball singen?
Macdonald: Die Geschichten rund um den Machtkampf der beiden Vereine sind oft so negativ. Dabei hat das Ganze auch eine gute Seite, und über die wollte ich mal einen Song schreiben. Ich habe so viele Freunde, die entweder den einen oder den anderen Club supporten. Wir machen uns einen Riesenspaß aus der Rivalität! Zum Beispiel schicken wir uns Textnachrichten, wenn das Lieblingsteam des anderen gerade verloren hat, einfach nur, um kurz zu sagen: Haha! Die Botschaft des Songs ist, dass man sich nicht anfeinden muss, nur weil man unterschiedliche Mannschaften mag. Man sollte das alles nicht so ernst nehmen.


chilli: „4th Of July“ hingegen behandelt ein ernsteres Thema …
Macdonald: Ja. Es ist ein Song, den ich letztes Jahr im September geschrieben habe, genauer gesagt, am 10. Jahrestag des 9/11-Terroranschlags. Ich sah die vielen Gedenksendungen im Fernsehen, und das machte mich sehr traurig. Dann dachte ich an meinen ersten New-York-Besuch. Es war während eines Familienurlaubs, dem vielleicht besten, den ich hatte. Als wir damals in die Stadt kamen, fühlte sich alles wie ein Filmset an. Hinzukam, dass wir am Independence Day ankamen und es abends ein unglaubliches Feuerwerk gab. „4th Of July“ habe ich geschrieben, um meine guten Erinnerungen an New York aufleben zu lassen und zu sagen, was für eine tolle Stadt das ist.

chilli: Neben Fußball und New York gibt es noch eine Leidenschaft, über die Sie auf dem Album singen: Autos. Was fasziniert Sie daran?
Macdonald: Ich liebe Autos! Seitdem ich meinen Führerschein habe, interessiere ich mich auch für die Automobilindustrie. Ich lese auch immer diese ganzen Auto-Magazine, um zu sehen, welche neuen Autos demnächst rauskommen.

chilli: Es heißt, Sie würden sich sogar um eine Rennlizenz bemühen.
Macdonald: Ja, darüber denke ich zumindest nach. Denn wenn ich eine hätte, könnte ich an kleinen Rennen teilnehmen, da habe ich schon Lust drauf.

chilli: In Ihrem Auto-Song „Slow It Down“ singen Sie darüber, dass es Ihnen manchmal gar nicht schnell genug gehen kann. Auf Ihre bisherige Musikkarriere kann man das sicher nicht beziehen …
Macdonald: Ich habe mich daran gewöhnt, dass alles immer superschnell geht. Und ich bin darauf vorbereitet, dass sich das sobald nicht ändern wird. Ich weiß, dass ich wohl auch in Zukunft einen Tag hier, einen da, dann einen zu Hause und dann schon wieder weg sein werde.


chilli: Zweifeln Sie manchmal daran, dass dieses Popstar-Leben das richtige für Sie ist?
Macdonald: Nicht wirklich. Es ist nur so, dass ich nach der Arbeit rund um mein erstes Album sofort ein zweites aufgenommen habe und ohne Unterbrechung vier Jahre lang auf Tour war. Und manchmal fragte ich mich, was ich da überhaupt mache und für wen das alles gut ist. Ich dachte: Meine Schwester ist Ärztin, sie hilft jeden Tag Menschen – und was mache ich? Glücklicherweise bekomme ich so viel Briefe und Mails von Fans, in denen es heißt: „Vielen Dank für diesen Song, er hat mir durch eine schwere Zeit in meinem Leben geholfen!“ Das hilft wiederum mir, besser über das zu denken, was ich mache.

chilli: Trotzdem singen Sie im Song „The Furthest Star“, dass Sie manchmal gerne jemand anderes wären …
Macdonald: Ja, aber nur manchmal, wenn ich mal wieder zig-Auftritte und eine gefühlte Million Interviews hatte. Wenn ich dann auch noch mit meinen Freunden zu Hause telefoniere und sie mir erzählen, dass sie abends ausgehen und ich mal wieder nicht dabei sein kann, ist das schon deprimierend.

chilli: Worauf könnten Sie am ehesten verzichten?
Macdonald: Ich könnte auf den ganzen Ruhm gut verzichten, daran war ich noch nie wirklich interessiert. Ich mag es, wenn ich unerkannt durch die Stadt laufen kann und sich nicht ständig jemand nach mir umdreht. Wenn ich anonym sein kann.

Fotos: Universal
Quelle: teleschau – der mediendienst