Seit ihrer Hauptrolle in „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (2001) liegt ihr die Filmwelt zu Füßen: Audrey Tautou ist international eine der bekanntesten französischen Schauspielerinnen ihrer Generation. Doch während Kolleginnen wie Marion Cotillard oder Mélanie Laurent ihr Glück in Hollywood versuchen, scheint Tautou keine Fortsetzung ihrer mit „The Da Vinci Code – Sakrileg“ (2006) begonnenen US-Karriere anzustreben. Stattdessen arbeitet die 37-Jährige lieber mit den besten Regisseuren zusammen, die ihr Heimatland zu bieten hat: Nachdem sie zuletzt die Titelrolle in Claude Millers letztem Film „Thérèse“ spielte, verzaubert Tautou nun in Michel Gondrys „Der Schaum der Tage“ (Start: 03.10.).

Audrey Tautou
chilli: Madame Tautou, Sie sind mit Regisseur Michel Gondry befreundet. Was verbindet Sie mit ihm?
Audrey Tautou: Wir sind tatsächlich befreundet. Michel wollte mich schon vor langer Zeit kennenlernen. Ich bekam vor ein, zwei Jahren eine Mail von ihm, keine Ahnung, ob es darin schon um diesen Film ging. Drin erinnerte er mich an eine Party, die sicher zehn Jahre zurückliegt. Wir unterhielten uns, und ich sagte damals, dass ich kurz eine Zigarette holen gehe, aber ich kam nie zurück. Eine erfundene Ausrede, um zu entkommen, weil ich zu beeindruckt von ihm war.

chilli: Sind Sie eifersüchtig auf seinen unglaublichen Einfallsreichtum?
Tautou: Nein, seinen Verstand will ich nicht haben. Er ist ein Genie, aber genial zu sein, muss oft schmerzhaft sein.

chilli: Was dachten Sie, als Sie hörten, dass Sie in „Der Schaum der Tage“ die Rolle von Chloé übernehmen sollen?
Tautou: Ich habe erst mal an nichts Spezielles gedacht, weil die Figur im Buch nicht so detailliert beschrieben ist. Bald kamen mir einige Ideen, wie ich ihre Unbekümmertheit umsetzen kann. Sie ist eine Person, die noch keine schweren Zeiten überstehen musste. Von daher ist sie sehr rein. Ich musste mir überlegen, wie ich das interpretiere.

chilli: Fliegende Miniatur-Raumschiffe, gläserne Autos und Mäuse als Diener. Waren die vielen Ideen Gondrys eine besondere Herausforderung für Sie?
Tautou: Im Vorfeld war es schwer zu ahnen, was Michel vorhat. Wenn man das Buch liest, kann man sich kaum vorstellen, wie das in einem Film umzusetzen sein könnte, insbesondere ohne Spezialeffekte. Ich besuchte die Leute, die an seinen Ideen und Modellen arbeiteten, um zu sehen, wie die entstehen. Es war sehr aufregend, sich mit dieser lebendig gewordenen Poesie zu umgeben.

Audrey Tautou
chilli: Wie gehen Sie als Schauspielerin mit seiner Arbeitsweise um?
Tautou: Als Schauspieler waren wir die ersten Zuschauer, die mit ansehen durften, wie Michels Set sich entwickelt. All diese kleinen Stunts zu machen, war wundervoll. Es entsteht eine eigene kleine Welt, ein Universum.

chilli: Wie schwer war es, in diese Welt einzutauchen?
Tautou: Das war sehr einfach, weil alles sehr konkret war. Statt einem Apfelkuchen aßen wir einen Kuchen aus Papier und Federn. Es war zwar alles sehr aufregend und ungewöhnlich, aber immer greifbar. Deutlich einfacher, als bei anderen Produktionen an einem weißen Tisch zu sitzen und sich einen per Computer hinzugefügten Gegenstand vorzustellen. Es war ein großer Spaß, wofür ich dankbar bin. Am Set ist es leichter in die passende Stimmung zu kommen, wenn das Schlafzimmer um dich herum tatsächlich schrumpft und du es dir nicht nur vorstellst. Wir spielten in der Realität unserer Figuren. Alles war vor unseren Augen.

chilli: Sie sagten über Chloé, dass Sie ihre Naivität mögen, aber die nicht hinterfragen wollen. Ist das typisch für Sie?
Tautou: Ich hinterfrage meine Rollen, kann aber nicht analysieren, ob hier oder da Ähnlichkeiten zu mir bestehen. Solche Fragen werden mir oft gestellt, aber ich kann das nicht beantworten. Ich arbeite sehr instinktiv, bin dabei aber sehr präzise. Ich habe sie in meinem Kopf und lebe mit ihr, bis ich den Film beende und doch suche ich nicht nach einer Verbindung zu mir. Das brauche ich auch nicht.

chilli: Sie gelten dank Ihrer Rollen als ein Inbegriff für Romantik, können damit aber laut eigenen Aussagen nicht viel anfangen. Wie kommt das?
Tautou: Vermutlich weil ich mit meinen Augen unheimlich gut große Bewunderung und Hingabe heucheln kann. Dafür bin ich sehr schlecht darin, Wut zu spielen. Das ist meine nächste große Herausforderung.

chilli: Worin lag die Herausforderung bei der Verfilmung von Boris Vians Werk und wieso ist die deutsche Kinofassung kürzer?
Tautou: In Frankreich kennt jeder dieses Buch und jeder hat seine eigene Interpretation des Buchs. Die Fassung, die außerhalb Frankreichs zu sehen sein wird, ist weniger unverständlich.

Text: Denis Demmerle / Fotos: Studiocanal
Quelle: teleschau – der mediendienst