Selbstironie ist Danny DeVitos Kapital. Die Karriere des Schauspielers mit den italienischen Eltern verlief zumindest ungewöhnlich: Er arbeitete als Kosmetiker im Salon seiner Schwester, wollte später Maskenbildner werden und landete während des Studiums an der American Academy of Dramatic Arts in New York City schließlich bei der Schauspielerei. Jeder hätte ihm vorausgesagt, dass er mit 1,52 Meter Körpergröße nicht auf eine Schauspielkarriere zu hoffen braucht. DeVito konterte 1975 mit seinem Auftritt im preisgekrönten Drama „Einer flog über das Kuckucksnest“, das sein Studienfreund Michael Douglas produzierte, und eroberte wenige Jahre später in der TV-Serie „Taxi“ die Herzen vieler Zuschauer. Mittlerweile ist DeVito mit seinen 67 Jahren wieder zur Sitcom zurückgekehrt, präsentiert sich aber im Kino auch als „Der Lorax“ (Start: 19.07.). Claudia Nitsche hat mit dem Schauspieler gesprochen.

chilli: Sie haben den Lorax nicht nur auf Englisch und Deutsch gesprochen, sondern auch noch in weiteren Sprachfassungen, nicht wahr?
Danny DeVito: Unter anderem gibt es noch zwei spanische Versionen, eine italienische und eine russische. Natürlich spreche ich keine dieser Sprachen. Nicht mal Italienisch, obwohl meine Wurzeln ja in Italien sind. Aber meine Großeltern waren schon tot, als ich zur Welt kam, und die Sprachreste, die noch in meiner Familie übrig waren, sind nichts, was man als Italienisch verkaufen könnte. Also hatte ich einen Sprachtrainer für alle Fassungen. Der Lorax ist ja eine sehr engagierter Kerl, er ist ein Kämpfer und redet dann auch mal entsprechend viel!


chilli: Wie kamen Sie mit der deutschen Sprache zurecht?
DeVito: Dieses „Ich“ – das ist ein unmögliches Wort. Ich habe immer „Ick“ gesagt und wusste nicht, wie das anders gehen sollte. Es gab in jeder Sprache für mich so einen Mount Everest zu besteigen, da ich beispielsweise kein R rollen kann, was Italiener und Spanier sich nicht vorstellen können.

chilli: Und, wie wurde Ihnen geholfen?
DeVito: Die Leute, die für mich eingeflogen wurden, wussten ja, wie es klingen sollte. Mir wurde alles aufgeschrieben, sowohl in der Originalsprache als auch in der Lautschrift. Sieht schon lustig aus (kichert). Damit die Betonung stimmt, war wichtig, dass ich wusste, was ich sage. Manchmal war es auch nur Stückwerk (lacht), und ich musste mich langsam herantasten.

chilli: Was haben Sie sonst so gemacht in letzter Zeit? Hierzulande bekam man in den letzten Jahren recht wenig von Ihnen mit.
DeVito: Ich habe seit sieben Jahren eine TV-Show. Sie heißt „It’s Always Sunny In Philadelphia“, und beschäftigt mich auf das Angenehmste. Mehr Vergnügen kann man beim Arbeiten nicht haben.

chilli: Was ist daran so aufregend?
DeVito: Ich spiele einen Typen, der schon alles erlebt hat und unglaublich reich ist. Dieser Frank Reynolds arbeitet in der Bar seiner Kinder, und ich finde mich in ihm gut wieder. Als ich 59 oder 60 war, habe ich angefangen, mit diesen 25-Jährigen zu arbeiten. Das war so ermunternd und erfrischend, so anders als das restliche TV-Programm in den USA.


chilli: Weil?
DeVito: Weil das Ganze bei Null anfing und sich die Fans ständig vermehren. Niemand kannte den Stoff. Niemand nahm die Serie wahr, anfangs schauten nur fünf Leute zu. Und dann ist das so schleichend zu einem Riesending geworden, ein Phänomen! Einschaltquoten gehen ja rauf und runter, aber bei uns ging es immer nur hoch.

chilli: Was ist Ihr persönlicher Spaß dabei?
DeVito: Dass ich nichts anderes mache als schauspielern. Wissen Sie, ich habe mit Film und Theater angefangen, dann kam „Taxi“, also Fernsehen. Das war eine großartige Sache, fünf Jahre lang durfte ich einen coolen Charakter spielen. Dann hatte ich zwar immer wieder mal Filmrollen, arbeitete allerdings auch viel als Produzent und vergaß darüber, was die Schauspielerei für ein toller Job ist.

chilli: Dann nennen Sie doch mal alle Vorzüge.
DeVito: Ich stehe auf und (grinst geheimnisvoll) … setze mich in den Stuhl in der Maske. Dann kommen hübsche Frauen und bepinseln mich, und jemand bringt mir Frühstück! Da sitze ich, bis die fertig sind, danach stelle ich mich vor die Kamera und tue, was ich so gerne mache: ich spiele. Dann kommt das Beste: Ich gehe heim (reibt sich die Hände) … und basta. Keiner ruft mich nach dem Dreh an und sagt: „Es fehlt eine Einstellung!“ oder „Wo ist das Skript für morgen?“ Es gibt nichts, worum ich mich noch kümmern muss! Klingt das faul? Okay, ich gebe es zu, ich bin ein bisschen faul (grinst).

chilli: Wie konnte Sie „Der Lorax“ dann animieren, bei der Synchronisation so fleißig zu sein?
DeVito: Weil so ein Film die Chance bietet, an junge Leute heranzukommen. Deswegen verfilmte ich 1996 auch „Matilda“. „Der Lorax“ lehrt, Dinge auch mal selbst in die Hand zu nehmen und sie nicht dem Präsidenten oder den Eltern zu überlassen, denn die wissen nicht alles. Auch ich rate, genau hinzuschauen, sich selbst eine Meinung zu bilden. Und da komme ich auch noch mal auf die vielen Sprachen: Ich wollte das natürlich gerne versuchen, weil man so viel mehr Kinder anspricht. Mir war es aber auch wichtig, dass mir einer Stopp zuruft, wenn es so nicht geht. Ich dachte, vielleicht hat das aus gutem Grund noch nie jemand gemacht. Aber jetzt tönt der Lorax mit meiner Stimme in fünf Sprachen.


chilli: In „Der Lorax“ geht es um die Umweltverschmutzung.
DeVito: Deswegen hoffe ich, dass sich die Leute das anschauen und die Botschaft ankommt. Wir möchten schon ein Signal setzen, aber keines mit erhobenem Zeigefinger, dazu ist die Geschichte viel zu wundervoll absurd. Seid einfach nett zu einander und schaltet öfter mal das Licht aus, um Strom zu sparen. Das ist ein Anfang.

chilli: Was schätzen Sie am Lorax? Sie nannten ihn vorhin einen Kämpfer.
DeVito: Dr. Seuss hat das Buch vor vier Jahren geschrieben. Nein, Dr. Seuss hat das Buch vor 40 Jahren geschrieben! Sehen Sie, ich kann nicht mal Englisch (grinst). Er beschrieb erschreckend prophetisch den Fortgang der Welt. Wir müssen mal etwas zurückgeben und dürfen nicht so selbstsüchtig sein. Es geht um Fairness und darum, die Gier einzudämmen. Der Lorax und ich spielen im gleichen Feld, wir machen uns Gedanken um die nächste Generation. Statt immer nur zu raffen, kann man einfach mal neu ansetzen. Das Pendel muss in die andere Richtung umschwingen, denn wenn wir so weitermachen, haben wir nur noch 50 Jahre.

Fotos: 2012 Universal Pictures / Sam Urdank / Gleb Serov
Quelle: teleschau – der mediendienst