Auch zweieinhalb Jahre nach dem Ende von „Doctor’s Diary“ ist Diana Amft Hoffnungsträgerin. Mit RTL und SAT.1 bauen gleich zwei große Sender neue Serienstoffe um die blondgelockte Komödienspezialistin. Neben der SAT.1-Krimiserie „Josy – Allein unter Bullen“ startet nun bei RTL die deutsche Version der US-amerikanischen Sitcom „The New Adventures Of Old Christine“. Die 37-jährige Wahl-Berlinerin spielt in „Christine. Perfekt war gestern“ (ab Donnerstag, 22.08., 21.15 Uhr) eine alleinerziehende Mutter, deren Ex sich mit einer – deutlich jüngeren – Frau eingelassen hat, die ebenfalls Christine heißt. Ein Gespräch über Frauen mit Fettnapf-Garantie, das eingebaute Drama in Komödienstoffen und Kinderwünsche.

"In der Komödie spielt man das Drama immer mit." Diana Amft, 37, scheint derzeit die gefragteste Komödienschauspielerin auf dem deutschen TV-Markt zu sein.

 

chilli: Jede Komödie braucht eine gute Grundidee. Die von „Christine“ ist, dass es sauschwer sein kann, als alleinerziehende Mutter ein neues Leben anzufangen …
Diana Amft: Ja. Auch wenn ich noch keine Kinder habe, kenne ich viele Frauen in meinem Alter, die in einer vergleichbaren Situation wie Christine sind. Deshalb konnte ich die Figur auch so gut verstehen. Beim Lesen der Drehbücher habe ich unheimlich viel gelacht. Es ist eine Figur aus dem echten Leben, die sehr fein beobachtet ist und die ohne Haudrauf-Humor erzählt wird.

chilli: Womit hat Christine zu kämpfen?
Diana Amft: Wenn man Mitte 30 mit Kind, aber ohne Partner dasteht, hat man in der Regel schon einiges erlebt. Andererseits ist man noch viel zu jung, als dass man sich mit dem Status Quo zufrieden geben möchte. Den Schritt nach vorne zu gehen, sich wieder auf das Leben und eventuell auf einen neuen Mann einzulassen, erfordert viel Mut und Kraft. Das ist die Situation von Christine, und die hat mir sehr gut gefallen.

chilli: In „Doctor’s Diary“ spielten sie eine junge Frau mit eingebauter Fettnapf-Garantie. In dieser Hinsicht gibt es durchaus Parallelen zu Christine aus der neuen Serie. Macht es Ihnen besonders viel Spaß, das Scheitern zu spielen?
Diana Amft: In meinen Augen scheitern diese Figuren nicht. Es sind einfach Frauen, die nicht perfekt sind und mit dieser Idee kann ich mich sehr gut identifizieren. Ich liebe ja diese Stehaufmännchen-Geschichten, wenn sie sensibel erzählt werden. Menschen, die nach Misserfolgen den Dreck abklopfen und einfach weitergehen, sind für mich eigentlich Gewinner.

Die "alte Christine" (Diana Amft) versucht sich an einem neuen Leben.

 

chilli: Ihre Serie ist die deutsche Adaption der US-Sitcom „The New Adventures Of Old Christine“. Haben Sie sich das Original angeguckt oder dies bewusst vermieden?
Diana Amft: Ich habe nicht allzu viel gesehen, aber durchaus ein bisschen reingeschaut. Dabei habe ich relativ schnell festgestellt, dass die US-Version ganz anders ist. Ich interpretiere die Figur doch sehr unterschiedlich. Man muss sowieso jede Figur aus sich selbst entstehen lassen, um sie lebendig werden zu lassen. Dazu gibt es auch viele kulturelle Unterschiede zwischen den USA und uns, die sich im Drehbuch niederschlagen.

chilli: Die amerikanische Serie wirkt fast biederer.
Diana Amft: Zumindest ist meine Figur auf eine gewisse Art sehr modern und auch urban. Hinzukommt, dass wir eher eine komödiantische Serie machen. Die Ästhetik einer Sitcom ist ein bisschen anders. Die Gags werden expliziter rausgeschossen, es wird mehr auf den konkreten Lacher hingeschrieben und auch gespielt.

chilli: Bei SAT.1 startet demnächst noch eine neue Serie mit Ihnen in der Hauptrolle, eine komödiantische Polizeiserie. Offensichtlich sind Sie derzeit die gefragteste Frau im deutschen TV, wenn es um Komödienprojekte geht.
Diana Amft: Ich bin stolz auf jedes Projekt, bei dem ich mitmachen darf. Ich freue mich auf jede gut geschriebene Rolle und versuche ihr eine persönliche und auch neue Note zu verleihen.

Christine (Diana Amft) und Stefan (Janek Rieke) - ihr gemeinsamer Sohn kommt in die Schule, das Leben geht weiter. Nur die beiden als Paar gibt es nicht mehr.

 

chilli: Ihre Paradeserie „Doctor’s Diary“ wurde allerdings nach der dritten Staffel endgültig eingestellt, oder?
Diana Amft: Ob sie endgültig eingestellt ist, weiß ich nicht. Es gab nach der dritten Staffel keine Pläne für weitere Folgen. Dazu war die dritte Staffel so erzählt, dass man die Serie an dieser Stelle gut verlassen konnte. Dennoch kann ich nicht klar sagen, dass es das nun endgültig war. Es gibt schon immer mal wieder Gespräche, eventuell auch noch einen Film zu machen. Ich habe Dr. Gretchen Haase und „Doctor’s Diary“ sehr geliebt und vermisse ihre Welt auch so ein bisschen. An mir wird es nicht scheitern, sollte es mal konkrete Pläne geben, das Thema wieder aufzunehmen. Wahrscheinlich wäre ich die Erste, die „ja“ schreien würde (lacht).

chilli: Frustriert es Sie manchmal, rein auf die Komödienschiene festgelegt zu werden?
Diana Amft: Klar würde ich als Schauspielerin gern eine möglichst große Bandbreite an Rollen spielen. Andererseits bin ich total happy mit der Tatsache, dass ich fast nur Komödien spiele. In keinem anderen Genre muss man härter und präziser arbeiten, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Seine Figuren muss man ohnehin immer ernst nehmen. Wer in der Komödie seine Figur nicht absolut ernst begreift und erarbeitet, wird sie niemals richtig lustig hinbekommen. In der Komödie spielt man das Drama immer mit.

chilli: Müssen Sie zwischen den Komödien durchatmen können, um wieder lustig zu sein?
Diana Amft: Ich finde schon, dass das wichtig ist. In der ersten Jahreshälfte 2013 habe ich mir bewusst ein paar Monate Auszeit genommen. Unter anderem deshalb, weil ich ja auch noch schreibe…

Sollte man Männer im Supermarkt kennenlernen? Christine (Diana Amft) lässt sich von Werner (Marc Ben Puch) ansprechen.

 

chilli: Ach ja, was denn?
Diana Amft: Vor zwei Jahren hatte ich viel Erfolg mit dem Kinderbilderbuch „Die kleine Spinne Widerlich“. Davon gab es dann letztes Jahr einen zweiten Teil. Nun habe ich gerade am dritten Teil gearbeitet.

chilli: Wie sind Sie zur Kinderliteratur gekommen?
Diana Amft: Geschrieben habe ich eigentlich schon immer. „Die kleine Spinne Widerlich“ war nun meine erste Geschichte, die ich so richtig rund bekommen habe. Zufälligerweise ist eben eine Geschichte für Kinder: Eine kleine Spinne macht sich auf den Weg um herauszufinden, warum die Menschen Angst vor ihr haben. Und jeder in ihrer Spinnenfamilie und im Freundeskreis hat darauf eine ganz eigene Antwort.

chilli: Sie drehen viel, Sie schreiben. Machen Sie auch manchmal richtig Pause?
Diana Amft: Ja, auf jeden Fall. Wir haben bis Januar „Christine“ gedreht, danach hatte ich eigentlich bis Juni frei. Das mit dem Kinderbuch passiert ja so nebenbei, bestimmte Ideen bilden sich, dann schreibt man sie irgendwann auf. Ich finde Pausen sehr wichtig, um zum normalen Leben zurückzukehren. Ich weiß, dass das Drehen nicht das normale Leben ist. Es ist eine Ausnahmesituation.

Christines (Diana Amft) letzte Party ist schon eine Weile her. Mit ihrem Bruder Mark (Axel Schreiber) versucht sich die getrennte Mittdreißiger-Mama wieder auf freier Männer-Wildbahn.

 

chilli: Wie sieht das normale Leben aus?
Diana Amft: Ich war viel zu Hause in Berlin. Es ist tatsächlich so, dass ich ziemlich gerne putze (lacht). Oder ich treffe mich mit Freunden. Wir leben ja mittlerweile in einer Gesellschaft, wo man sich ständig selbst zu überholen droht. Eigentlich ist das gar nicht mein Stil. Deshalb genieße ich das Zeithaben sehr. Ich weiß aber auch, dass es ein Privileg ist.

chilli: Ihr Mann arbeitet ebenfalls beim Film – als Aufnahmeleiter. Ist es da besonders schwierig, die Projekte so abzustimmen, dass gemeinsame Freizeit entsteht?
Diana Amft: Ja, es ist nicht einfach. Anfang des Jahres hatten wir gemeinsam frei, das war herrlich. Einerseits liebe ich diesen Beruf sehr. Andererseits weiß ich, dass auch noch ein normales Leben abseits des Jobs stattfinden muss. Ich finde es beispielsweise schlimm, wenn man seine Freunde nur dann anruft, wenn es einem nicht so gut geht. Die Jahre gehen so schnell vorüber, wenn man viel arbeitet. Plötzlich fragt man sich, wo die Zeit geblieben ist …

chilli: Haben Sie Kinderpläne mit Ihrem Mann?
Diana Amft: Ich liebe Kinder, das ist bekannt. Es gibt kaum etwas Schöneres auf der Welt, als das Lachen eines Kindes. Dennoch mag ich den Begriff „planen“ nicht so gern in diesem Zusammenhang. Würde man ein Kind tatsächlich planen, wäre nie der richtige Zeitpunkt gekommen. Wenn es dagegen einfach passiert, ist der Moment immer der richtige. Ich finde es anmaßend, einen Menschen einfach planen zu wollen – so wie ein Filmprojekt. Wenn es passiert, passiert es. Ich will das im Privaten halten.

Text: Eric Leimann / Fotos: RTL / Benno Kraehahn, Christiane Pausch
Quelle: teleschau – der mediendienst